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Meile der Demokratie 2012

Auch in diesem Jahr wurden wir als Agentur erneut beauftragt einen Teil der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. Dabei ging es zunächst um die Aktualisierung des bisherigen Designs der Meile – „Auffrischen“ und zugleich den Wiedererkennungswert mit den bisherigen Werbemitteln erhalten. Eine Herausforderung des Meile-Designs ist ohne Frage immer die sehr große Zielgruppe. Eine grafische Lösung muss hier quer durch alle Altersschichten hindurch und für eine große Anzahl zivilgesellschaftlicher Initiativen möglichst ansprechend sein.

Für die Neugestaltung wurden zunächst sehr kräftige Farben gewählt. Das leuchtende und starke Blau des Hintergrunds bildet hier den Kontrast zu den Grundfarben des Ottostadt CI, welches in den Pfeilen aufgenommen wurde. Als wesentliche Bildelemente blieben der stilisierte Stadtplan im Hintergrund und die bereits angesprochenen Pfeile erhalten. Das Design wurde deutlich reduzierter aufgebaut, um den zu kommunizierenden Inhalt stärker in den Vordergrund zu rücken und eine klarere Bildsprache zu schaffe. In den verschiedenen Anwendungsbereichen – vom Plakat bis zum Webbanner – waren die Pfeile (+ Titel) das bestimmende Gestaltungselement.

Nach der Festlegung der Grunddesignelemente und Farben, wurde das Ganze für die verschiedenen Werbemittel und Medien umgesetzt (Plakat, Falzflyer, Anzeigenmotiv, Webbanner, Programmheft, Website-Designelemente und grafische Elemente für die Social Media Auftritte der Meile).

Für die Meile der Demokratie übernahmen wir als Agentur weiterhin die Betreuung der Website und der sozialen Netzwerke (Facebook & twitter), sowie einen Teil der Pressearbeit.

Im Rückblick auf die Meile freuen wir uns nun über eine erneute Steigerung der Besucherzahlen – so wird von schätzungsweise 10.000 Menschen gesprochen – und eine wirklich gute Berichterstattung im Vorlauf der Meile, wie auch über die Meile selbst. Besonders erfreulich ist auch die diesjährige große Resonanz in überregionalen Medien.

Wie sagt man so schön: Wir danken für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

SJ

Blogschau 2011

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Ein New York City U-Bahnzug faßt 1,200 Menschen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 4.800 mal besucht. Um die gleiche Anzahl von Personen mit einem New York City U-Bahnzug zu befördern wären etwa 4 Fahrten nötig.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Filmdreh: Gefunden

Unsere Partner-Agentur Freistil Film hat Mitte November 2011 den Kurzfilm “Gefunden” gedreht. Praktikantin Antonia Stagge hat die Drehzeit für uns noch einmal Revue passieren lassen.

Filmdrehs beginnen früh am Morgen. Sehr früh. Die Sonne ist grade erst untergegangen, da müssen schon die ersten Vorbereitungen für einen erfolgreichen Drehstart getroffen werden. Schauspieler und Team wollen versorgt und kulinarisch verwöhnt werden. So heißt es, wenn andere noch schlafen: Kaffee kochen, Brötchen schmieren, Kaffee kochen und nochmal Brötchen schmieren. Essen ist essentiell für die Stimmung am Set und ein schlecht gelauntes Team steht dem kreativen Schaffensprozess eher im Wege und noch weniger kann man schlecht gelaunte Schauspieler gebrauchen. Deshalb hieß es mit geringsten Mitteln (wir reden von einem very low Budget Filmprojekt), das Größte herauszuholen.

Doch auch schon im Vorfeld haben wir unseren Schweiß vergossen. Das Set musste hergerichtet werden, sodass es den Vorstellungen des Regisseurs entspricht. Man braucht für die Vorbereitungen weitaus mehr Zeit als für den eigentlichen Dreh. Wir haben gestrichen, geräumt und geputzt was das Zeug hält. Dafür, dass wir erst eine Woche vor Drehbeginn starten konnten, konnte man mit dem Ergebnis doch sehr zufrieden sein.

In Magdeburg einen Film zu drehen, ist auch schon ein Erlebnis für sich. In Städten wie Berlin, Köln oder Hamburg, wo an jeder Ecke ein Kamerateam herumsteht, gehen die Leute einfach teilnahmslos vorbei und sind dies gewohnt. Hier hat man nun aber das Gefühl, die Magdeburger haben zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kamera gesehen und verspüren das dringende Bedürfnis, dieser auch sofort ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen und womöglich direkt durchs Bild zu laufen – selbstverständlich mit Blick in die Kamera: „Bin ich jetzt im Fernsehn‘?“
Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, hieß es also auch mal neugierige Zuschauer oder potenzielle Durchs-Bild-Laufer zu entfernen.

Wie schon erwähnt, waren unsere Mittel begrenzt. So konnte man auch als „niederer“ Arbeiter in den Genuss kommen, Kontakt mit den anderen Mitgliedern des Teams aufzunehmen. Um die 20 Leute waren am reibungslosen Ablauf des Drehs beteiligt. Das Team am Set bestand aus einer Ausstatterin, drei Maskenmädchen, zwei Tontechnikern, drei Lichtjungs, einem Aufnahmeleiter, einem Kameramann samt Assistenten, dem Regisseur mit Regieassistentin und selbstverständlich den Schauspielern. Auf jeden wurde gezählt, der Ausfall eines Einzelnen konnte das ganze Projekt gefährden. So kam schon einmal kurze Panik auf, als sich die Gruppengröße der Maske um 2/3 dezimierte. Doch was man bei dem Dreh lernen konnte, war definitiv, mit Stress und Ausnahmesituationen umzugehen. Kaffee und Zigaretten wirkten da scheinbar für einige stressreduzierend. Das Problem ist nur, wenn dann Zigaretten aufgeraucht werden, die eigentlich Bestandteil der Requisite sind und das passende Feuerzeug ebenso verschwindet. Das ermöglichte einem allerdings Einblicke in diverse Warenbestände der Tankstellen, LottoToto-Geschäfte und Supermärkte Magdeburgs.

Auch der Wettergott hat es die vier Tage echt gut gemeint mit uns, auch wenn es gerade bei den Außendrehs teilweise richtig kalt war. Da lobe ich mir doch den Catering-Job. Oder eine heiße Tasse Tee. Denn Filmdrehs können spät am Abend enden. Sehr spät.

——
von Antonia Stagge, Praktikantin bei Freistil Film

Es ist Veränderung

Am Mittwoch, den 26.10.2011 wird um 19 Uhr das Ausstellungsprojekt Benutzeroberfläche STADT im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg eröffnet werden. Das bedeutet für mich eine sehr arbeitsintensive kommende Woche, die vor mir liegt. Vor, nach und zwischen der Arbeit geht es dann ins Kloster, um an der Ausstellung zu werkeln. Zum anderen freut es mich aber auch diesen neuen Raum zu haben, um mich auszuleben. Der Kulturschwärmer Magdeburg fragte für die aktuelle Ausgabe für einen Gastbeitrag an, in dem ich mich noch einmal gesondert mit dem Verhältnis (sub)urbaner Kultur und offizieller Ausstellungsräume befassen sollte. Der Beitrag ist im aktuellen Kulturschwärmer zu finden. Für alle Leser/innen des Blogs möchte ich ihn aber auch noch einmal auf diesem Wege zugänglich machen.

Es ist Veränderung statt Verlust von Authentizität
Kulturschwärmer Oktober 2011 

Banksy – ein Name, der fast schon zum Synonym für urbane Kunst und Streetart geworden ist. Popularität verändert aber auch vieles. Einige seiner Arbeiten werden mittlerweile für viel Geld gekauft – und verkauft. Man muss nicht unbedingt verstehen, warum einige Menschen Geld für Sachen ausgeben, die andernorts einfach im Stadtbild zu finden sind. Feststellen kann man aber: es passiert. Streetart, nicht nur Banksy, ist populär geworden und der urbane Style funktioniert schon seit Jahren im Marketing. Das, was einst in einer Form von Protest entstand, hat den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden. Heute gibt es Firmen die sich ihre Büros durch aufwendige Graffiti-Werke verschönern lassen; Modemarken, die sich teuer die Namen der Szene einkaufen und Streetart-Workshops in der Jugendsozialarbeit. „Früher war alles besser“, mögen einige sagen. Und das Ideale verraten wurden. Ich denke eher, das Veränderung ein normaler Prozess ist. Menschen sind mit ihren Protestformen und subkulturellen Codes älter geworden. Vielleicht haben unsere Eltern damals gehofft, dass das nur der jugendliche Sturm und Drang sei – eine Phase, die vorbei geht. Dem war wohl nicht so. Die bösen und aufsässigen Jugendlichen von Früher sind die tätowierten Erwachsenen von Heute. Das ist eine Veränderung, die ich durchaus sehr schätze. Und die mich gelassen hinnehmen lässt, wenn sich ein Banksy-Werk für viel Geld verkaufen lässt.

Urbane bzw. suburbane Kultur – darum soll es auch in „Benutzeroberfläche Stadt“ gehen. Insgesamt werden elf Menschen aus den Bereichen Streetart und Graffiti zusammen die Ausstellung entwickeln und mit ihren jeweiligen Stilen und Arbeitsweisen aufeinander treffen. Ich wurde ebenfalls angefragt und habe mir natürlich die Frage gestellt: „Will ich überhaupt mit dem, was ich mache, in so einen Raum?“ Streetart begegnet uns, so sagt ja schon der Name, im Alltag – an Häuserwänden, als Installation, als Sticker und und und. Sie verändert ein Stadtbild und ist als Protestform und künstlerische Intervention groß geworden. „Stadt“ wurde zum Medium der Kommunikation, um sich sichtbar zu machen und Probleme zu thematisieren. Und nun eine Ausstellung im Kunstmuseum? Wir sind also zurück bei der beschriebenen Bewegung in die Mitte. Aber verlieren wir unsere Ansprüche und unsere Authentizität? Oder ist es die gesellschaftliche Veränderung; unsere Veränderung, die es ermöglicht, heute auch Räume wie ein Kunstmuseum zu erreichen? Ich denke es ist Letzteres, und wir haben ein neues Medium, mit dem wir auch hier wieder versuchen werden, mit anderen zu kommunizieren – über das was uns wichtig ist, was wir mögen und was uns stört.

SJ

Baden-Württemberg vs. Sachsen-Anhalt: Wir können alles. Außer Windkraft.

Mit der Übernahme der Baden-Württemberg Kampagne (Wir können alles. Außer Hochdeutsch) hat die Agentur Zum Goldenen Hirschen die Ausrichtung der Kampagne deutlich verändert und direkt mit dem ersten Motiv für Ärger gesorgt. Der provokante Slogan „In Sachsen-Anhalt steht man früher auf. Bei uns bleibt dafür niemand sitzen.“ traf mitten ins Herz der Landeskampagne Sachsen-Anhalts und erregte die Gemüter der Landespolitik. Die Reaktionen reichten dabei von Fassunglosigkeit (SPD-Landtagsfraktionschefin Katrin Budde) bis zu Freude über die Anerkennung, ja Adelung der Kampagne durch Baden-Württemberg (Ministerpräsident Rainer Haseloff, CDU).

Als wir bei KorrekturNACHOBEN die Kampagne sahen, waren wir zugleich begeistert, belustigt, fühlten uns aber auch herausgefordert. An dieser Stelle daher: Chapeau liebe Agentur „Zum Goldenen Hirschen“ für diesen gelungenen Auftakt der neuen Werbekampagne für Baden-Württemberg und vielen Dank für die nette Vorlage!

Wir haben spontan einen Entwurf für ein Anzeigenmotiv gemacht, den wir euch nicht vorenthalten möchten. Konzeption, Gestaltung und Text stammen von Steffen Jany und Malte Brusermann.

Wir veröffentlichen das Bild unter einer Creative Commons Lizens (Namensnennung, keine Kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)

Kampagnenentwurf: Wir können alles. Außer Windkraft. Wir veröffentlichen das Bild unter einer Creative Commons Lizens (Namensnennung, keine Kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)

So BaWü jetzt seid ihr wieder dran. Feuer frei, wir sind gespannt was euch dazu einfällt!

Kurzer Überblick der Pressemitteilungen über den Werbekrieg der beiden Bundesländer:

Baden-Württemberg-Kampagne verärgert Politiker Sachsen-Anhalts Horizont (30.09.2011)

Baden-Württemberg nimmt Sachsen-Anhalt aufs Korn MDR (29.09.2011)

BADEN-WÜRTTEMBERG VS. SACHSEN-ANHALT Zoff zwischen Frühaufsteher und Nicht-Sitzenbleiber Welt Online (28.09.2011)

WTF Clooney Ad

Es gibt da einen neuen Werbespot mit George Clooney, über den wir in der Agentur eher geteilter Meinung sind: Die Herren finden ihn total witzig, ich bin da schon ein bisschen skeptisch, vielleicht auch, weil ich den Humor nicht so ganz verstehe, aber vielleicht gehe ich da auch ein bisschen zu rational an die Sache ran.

Erstmal davon abgesehen, dass ich kein besonders großer Clooney-Fan bin, bekomme ich in letzter Zeit nur noch was von seiner Person anhand irgendwelcher Werbespots mit (Martini, Nespresso, Anti-Nespresso). Kinder, die in dieser Zeit aufwachsen, müssen ein völlig verzerrtes Bild von ihm bekommen haben, sie müssen sich unentwegt fragen, wer ist dieser alte weißhaarige Mann in den Werbeunterbrechungen? Was kann er, was andere Werbemenschen nicht können? Aber ich schweife ab.

Worum es in diesem Spot geht: Eine blonde, nicht mehr ganz so frische Dame mittleren Alters, die etwas zerrüttet, aber dennoch perfekt geschminkt aussieht, schält sich aus einem Bett in einem nicht minder verwüsteten Apartment, wo unter Anderem ein Pferdekopf auf dem Fußboden liegt. Ein Pferdekopf eignet sich immer gut um zu signalisieren; Obacht, hier ist etwas Seltsames los. Beispielsweise auf witzigen Fotos oder Musikvideos (okay, ich finde gerade keins mit Pferdeköpfen, aber andere Tierköpfe gehen im Zweifelsfalle auch) und sowieso, Pferdeköpfe gibt es auch auf Amazon als lustiges Party-Utensil sogar mit Plüschhaaren für unter 20 Euro.

Wo war ich stehengeblieben. Also die Dame steigt aus dem Bett und schaut sehr verwirrt drein, außerdem fehlen ihr Augenbrauen, aber das hat glaube ich nichts mit der Story zu tun. Also sie sitzt da so und sieht dass sie einen Ring am Finger hat und dann steht sie auf und findet ein Hochzeitskleid, dass sie offensichtlich getragen haben muss und Hochzeitsfotos, wo sie neben einem Bräutigam sitzt, der einen Pferdekopf (s.o.) trägt und fragt sich wohl nur so “ey krass Mann voll heftig was ging da denn ab?”
Und dann öffnet sich die Tür und ein alter Mann George Clooney kommt herein und betascht sie ganz zärtlich ( “so cute!”) und sie setzen sich zusammen vor einen Laptop und er zeigt ihr ein Haus, dass er sich mit ihr zusammen kaufen möchte und sie findet das wohl alles ganz in Ordnung so und dann titelt der Abspann auf Norwegisch:” Manche Menschen haben Glück im Leben – Für den Rest von uns könnte Sparen schlau sein”.
Die Werbung wirbt also weder für Sofortbildkameras noch für Immobilien, lustige Pferdeköpfe, Roofies oder andere Betäubungsmittel sondern für eine Bank!

Ich stelle mal ganz außer Frage, dass die meisten Frauen in dieser Situation schreiend aus dem Zimmer rennen und unmittelbar die Polizei alarmieren würden, ich frage mich die ganze Zeit nur, was zur Hölle ist mit dieser armen Frau passiert? Mein Kollege meint “übelster Absturz” aber dieser Absturz muss sich ja Wochen hingezogen haben, zumindest wenn man davon ausgeht dass eine gemeinsame Beziehung, ein Antrag und/oder zumindest der bürokratisch aufwendige Weg einer Anmeldung der Trauung bei der Standesbehörde stattgefunden haben muss, es sei denn die Hochzeit fand in Las Vegas statt, aber das hier soll ja offensichtlich Norwegen sein.
Mir kamen statt Parallelen zum Hollywood-Schlager Hangover ganz andere Interpretationen in den Sinn: Diese Frau muss einen schrecklichen Unfall gehabt haben, oder jemand hat sie gekidnappt und sie wurde das Opfer von schrecklichen Hirnexperimenten, bei denen ihr der Hippocampus und der Frontallappen entfernt wurden (das würde auch eine Erklärung für die fehlenden Augenbrauen liefern). Oder sie hatte schon immer einen neurologischen Defekt aufgrund dessen sie wie bei Butterfly Effect immer von einer Situation zur nächsten springt und befand sich eben noch in einem Gefängnis voller Schwerverbrecher – man weiß es nicht!

So Spaß bei Seite, halten wir Clooney mal zu Gute, dass er diesmal nicht für den skandalträchtigen Nestlé-Konzern Werbung macht, sondern für ein seriöses (?) Geldinstitut, das auch noch aus Norwegen stammt.

Und der Spot ist ja auch recht solide gemacht, abgesehen davon, dass man zwischendrin die Kamera im Spiegel sieht, aber das ist ja auch eine Kunst für sich, so einen Raum mit Spiegeln zu filmen. Dafür gibt es ein tolles Luxus-Ambiente und eine herausragende Schauspiel-Leistung der Dame fast eine Minute lange verwundert zu gucken. Und es ist ein schöner Schachzug von einer solch konservativen Institution wie einer Bank, einen witzigen Spot mit Pferdekopf zu drehen.
Und außerdem spielt George Clooney mit, ich meine, George Clooney!
(ls)

Hornbach YippieYeah: Mach es zu deinem Liebesprojekt

UPDATE: Die Social Media Akademie hat ebenfalls einen Artikel zum Hornbach Case veröffentlich, der zudem ein Interview mit dem Community Manager alias Mr. Hornbach enthält. Den Artikel findet ihr hier!

Pünktlich zum Wochenende haben „#hach“ und „<3“ Tweets und Statusmeldungen mal wieder Hochkonjunktur in meiner Timeline. Zu verdanken haben wir das in diesem Fall Hornbach, beziehungsweise Oliver und Sajena die sich auf der Fanpage Hornbach YippieYeah einen romantischen Dialog liefern. Angefangen hat alles mit der folgenden Anfrage von Oliver auf der Hornbach Fanpage:

Originalpost: wer ist das mädchen

Originalpost: wer ist das mädchen

Nicht nur die sehr kommunikativ agierenden Community Manager von Hornbach steigen auf die Diskussion ein, sondern bald gibt es auch Tipps von den Fans die Oliver helfen sollen, seine Herzdame anzusprechen, wie beispielsweise diesen hier:

Nutzerkommentar

Tjaaa, leider ist die gute Sajena schon vergeben und so wird nichts aus dem Hornbach Social Media Traumpaar 2011, dem Einladungen zu den nächsten Kommunikationskongressen, Vorträge auf der re:publica 12 und Angebote für die kostenlose Ausrichtung ihrer Hochzeit durch Frank Mathee und der Ausgestaltung ihrer Wohnung durch Tine Wittler sicher gewesen wären.

Sajenas Antwort

Sajenas Antwort

Aber, das fehlende Happy End nimmt dieser Facebook Romanze keinesfalls ihre Wirkung, auch wenn einige Fans nun meinen, dass Sajena sich unbedingt von Ihrem Freund trennen & Oliver am besten direkt heiraten sollte.

Was bleibt:

Chapeau an das Community Management bei Hornbach, dass diese süße Geschichte am laufen gehalten hat und sich dabei extrem viele Sympathiepunkte bei den Fans sichern konnte. Nicht nur an den schnellen Antworten, auch an der sehr gut angepassten Tonalität sollten sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen. Die meisten Unternehmen würden auf einen solchen Post sicher gar nicht reagieren. Engangiertes Customer Relationship Management via Facebook funktioniert aber besonders dann, wenn man auf die Fans eingeht, auch wenn es dabei nicht direkt um produktbezogene Fragen geht. Die Hornbach Mitarbeiter und ihre Zusammenarbeit und Kommunikation wurden jedenfalls sehr positiv dargestellt.

Mit ca. 700 „Gefällt mir“ und mehr als 300 Kommentaren treibt dieser Post die Interaktionsrate auf der Hornbach Seite definitiv nach oben. Und auch in den Fanzahlen lässt sich ein deutliches Plus ausmachen. Da riecht der eine oder andere User natürlich einen „Fake“ und „virales Marketing“, auch wenn „Mr. Hornbach“ das dementiert. Mag sein, mag nicht sein. Irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass hier eine gute Gelegenheit ergriffen wurde und „die böse Agentur“ diesmal ihre Finger nicht im Spiel hatte.

Natürlich gibt es auch schon eine Fanseite auf Facebook, die mit ca. 35 Fans aber eher klein ist: Die Horbach Lovestory

Oliver, ich wünsch dir viel Glück, dass du über deine 15min Ruhm bald doch eine nette Freundin findest. Aber geh doch bitte draußen auf die Suche und wenn du die nette Kassiererin im Supermarkt ansprechen möchtest, dann hast du ja jetzt ausreichend Tips dafür!

Schön, wenn Social Media auch mal was fürs Herz bereithält. Und damit ihr auch noch was fürs digitale Herz habt, geben wir euch dieses schöne Lied mit ins Wochenende. Liebt euch, verliebt euch und habt eine schöne Zeit Miteinander #hach <3 !

Weitere Blogbeiträge zum Thema:

YippiehYeah: Hornbach als Amor

Das wahre Leben oder die Hornbach Romanze bei Facebook (Off the Record)

Hornbach YippieYeah oder der Facebook Effekt & großartiges Community Management

Hotelbuchung im Sturzflug

Kaum zu glauben, wie schnell man heutzutage „in letzter Minute“ ein Hotel buchen kann, wie in folgendem Video zu sehen:

Ein Mann springt, mit einem iPhone in der Hand, aus dem Helikopter. Er berührt ein paar Mal den Touchscreen, macht zwischendurch Luftrollen und kommt schließlich im gewünschten gebuchten Hotel unbeschadet an. Jetzt kann man also ganz sorglos per App sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten in wenigen Sekunden reservieren. Selbst beim Fallschirmspringen.

Da tut sich erst einmal die Frage auf, ob man das wirklich braucht?
Natürlich ist das Video ein ganz klein wenig übertrieben aber die Grundidee ist, meiner Ansicht nach, ganz richtig gedacht. Im Vergleich zu früher, kann man heute einfach nicht mehr die Monate im Vorraus planen. Meetings, Geschäftstreffen und selbst Familienurlaube werden kurzfristig gelegt und schnell gebucht. Die zeitliche und räumliche Organisation von Arbeiten und Leben ist völlig entgrenzt. Beschäftigte haben wenig Einfluss auf ihre Arbeitzeitpläne, ihre Arbeitseinsätze sind häufig kurzfristig, entrhytmisiert und wenig planbar. Insofern ist ein Service durch Buchen, Reservieren und Stornieren erforderlich, der unpersönlich und schnell vonstatten gehen sollte. Umkoordinieren sollte auch dort unproblematisch möglich sein.
Die Zeit für persönliche Anrufe ist einfach nicht mehr da. Hatte man früher die Muße ein Telefonbuch herauszukramen und das günstigste Hotel mit dem besten Service anzurufen, geht man heute schnell mobil online, sucht sich das optisch ansprechendste Angebot heraus und bucht dieses dann mal eben. Es hat auch niemand hat den Elan, eine, meist teure, Auskunft anzurufen um so die nächstgelegene Übernachtungsmöglichkeit zu finden.
Das geht eben wie im Flug mit dem iPhone.
Und um zu erreichen, dass Onlinenutzer von der eigene Seite eingenommen sind, müssen eben die Werbebotschaften gezielt und effektiv wirken. In diesem Werbefilm wird nicht nur erfolgreich gezeigt, wie schnell sich solch eine Onlinebuchung vollziehen kann, sondern auch, welchen Stellenwert Smartphones im Bereich Hotelbuchung inzwischen einnehmen.

Wir lieben diesen Spot, weil er die Kerneigenschaften des Produktes und der heutigen Entwicklung aufzeigt und es schafft dies zu vermarkten. Diese Basics werden dann noch mit Spaß und Action gewürzt und voilà wir haben virales Potential.

Dieser Blogpost wurde von Dominique Kauer verfasst, die bei KNO ein einwöchiges Schulpraktikum absolviert. Herzlichen Dank und schön, dass du bei uns bist Dominique!

Virales Fundstück aus Dänemark

Ein dänisches Werbevideo hat in den letzten Tagen auch seinen viralen Weg nach Deutschland gefunden, und erfreut sich großer Beliebtheit:

“Byturen” auf www.byturen.com

Auf den ersten Blick ähneln die farbenfrohen Hochglanz-Bilder, in denen fröhliche Party-Menschen ihrem Club-Abend fröhnen, der deutschen “Alkohol? Kenn dein Limit”-Kampagne und man wartet darauf, dass der Text “Sie feiert heute hemmungslos – Er stellt sie morgen nackt ins Netz” eingeblendet wird.
Aber das Video kann viel mehr, bewegt man nämlich den Mauszeiger über die schönen Bilder, verwandelt sich das ansprechende Ambiente in triste Umgebung und die gut gestylten Menschen in mitleidserregende Kreaturen. In völlig betrunkenem Zustand vermasseln sie all die tollen Gelegenheiten, die sich ihnen bei der cleanen Version bieten: Statt Flirt hagelt es Abfuhren, statt sexy Dance wird über den Fußboden gekraxelt und auch der Gang zur Toilette entpuppt sich als organisatorische Meisterleistung. Unterteilt sind die verschiedenen Stationen der Partynacht in Uhrzeiten von 1:05 Uhr bis 6:14 Uhr, die man einzeln anwählen kann. Manche Darstellungen wie das Wand-Anpinkeln sind vielleicht etwas übertrieben, andere hingegegen wirken irgendwie erschreckend vertraut. So erscheint mir der Tanzstil von den Jungs in 2:17 Uhr ja beinahe als Standard vieler Studenten-Discos, wo gewöhnlich einiges an Bier von Nöten ist, bis man(n) sich auf die Tanzfläche traut, aber das nur am Rande.

Somit spricht die Kampagne schon inhaltlich besonders das junge Publikum an, das in Dänemark auch leider europaweit die Spitze des Alkoholmissbrauchs unter Kindern und Jugendlichen anführt (www.sst.dk).
Was den Clip aber so besonders und auch für andere Zielgruppen spannend macht, ist die interessant gewählte interaktive Steuerung. Wo sich viele sogenannte “Augmented Videos” (ich finde die Bezeichnung etwas unpassend, vielleicht hat jemand eine bessere) im Online-Marketing noch darauf beschränken, dass man durch einen Klick den Fortgang der Story herbeiführen kann oder nach einmaligem Eingeben seines Namens irgendwann mal bei diesem genannt wird, ist hier durchängig der Zuschauer gefordert und wird mit abwechslungsreichen Darstellungen in die Geschichte eingebunden.
Für solch innovative Videos sind die Skandinavier wohl prädestiniert, erinnert man sich an eines der erfolgreichsten Virals überhaupt: “The Hero” aus Schweden. Nach Hochladen eines Porträit-Fotos konnte man hier selbst zum Hauptdarsteller des Films werden (mittlerweile offline, Bericht z.B. auf www.pc-blog-berlin.de).
Die Zukunft zeigt uns interaktives Fernsehen, interaktive Hörspiele, warum also nicht auch interaktive Werbe-Filme? Da ist auf jeden Fall noch viel Platz nach oben: Denn wem es wie mir geht, und der sich nach dreißig Sekunden Youtube-Video schon anfängt zu langweilen und bei neuen Musikvideos grundsätzlich alle paar Sekunden in der Zeitleiste nach vorne klickt, findet in diesem Format vielleicht etwas ansprechendere Unterhaltung. Vorausgesetzt sie ist so professionell und fließend umgesetzt wie in “byturen.com”.

Verantwortlich für den Clip zeigt sich übrigens die dänische Werbeagentur Bocca (bocca.dk), nach der man auf der Video-Seite vergeblich sucht. Auch auf ihrer Firmen-Webseite zeigen sie sich zurückhaltend, dort erfährt man aber zumindest, dass zu ihren Kunden vom Teppich-Geschäft Tæppeland über HTC-Smartphones auch das größte skandinavische Billigflug-Unternehmen Norwegian zählt.

Aber wofür wirbt das Video nun? In der letzten Szene werden die Darsteller glücklich und zufrieden auf der sicheren Heimfahrt in einem Bus gezeigt, während sie beim Mouse-Over völlig heruntergekommen und fertig in einer Gasse herumlungern. Dazu der dänische Text: “Ist es Zeit, nach Hause zu kommen?” und das Logo von Movia, einem dänischen Verkehrsunternehmen.
Also trügt der Schein einer Anti-Alkohol-Kampagne, auch wenn die zeigefingerhebende Warnung, dass man nach zu viel Suff nicht mehr Herr seiner Sinne ist, wohl unmissverständlich mitschwingt. Muss aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern so ankommen, wie ein Kommentar auf dem Fun-Blog chilloutzone beweist:
Das Video will uns sagen: “Trinkt mehr Alkohol, die Realität ist scheiße.”
In diesem Sinne, ich nehm dann mal noch einen Pfeffi mit in die Straßenbahn.

(ls)

Magdeburg halt!

Es hat sich viel getan in Deutschland. Noch vor ein paar Jahren war eine Stadt eine Stadt mit mehr oder weniger Reichtum an Sehenswürdugkeiten und Attraktivität. Es gab schöne und hässliche Städte und Regionen, arme und reiche, vom Krieg zerstörte oder eben nicht.

Heute ist das anders. Jede noch so kleine Stadt gräbt eine Figur aus ihrer Vergangenheit aus und macht diese zum wichtigen Akteur der Weltgeschichte. Magdeburg hat es neulich zur Ottostadt gebracht. Man gräbt und forscht sich durch das Erdreich und kommt schließlich zu dem Urteil, das Magdeburg vor ein- oder zweitausend Jahren einmal eine richtige Weltmetropole war. Jetzt ist alles gut, denn so legitimieren echte Wissenschaftler das schöne Gefühl des komplexbehafteten Bürgers, dass Magdeburg eine wichtige Stadt ist, was die Anderen nur noch nicht mitbekommen haben. Ehemals Dreh- und Angelpunkt eines Weltreiches, Ausgangspunkt der Christianisierung des Ostens und Ottos Lieblingspfalz. Das alles ergibt für Werber wie Politiker ein dankbares Motiv zur Identifizierung des Bürgers mit seiner Stadt. Hierbleiben ist das Motto, die Menschen sollen sich hier Arbeit suchen und mithelfen, die Stadt zu erhalten. Denn hier ist es schön und für alle wird gesorgt.

Dumm nur, dass das die meisten nicht sonderlich interessiert sind an den Dingen von vor 1000 Jahren. Und am wenigsten die unter 30-Jährigen. Vor allem die wollen abends gern entspannen, sich kulturell bilden, feiern, tanzen, oder auch einfach nur bei schönem Wetter ein Bier an der frischen Luft trinken. Doch soweit geht das Marketingdenken der Stadtoberen dann doch nicht. So konnte man in den letzten Jahren bereits erstaunt verfolgen, wie Magdeburger Bürger kriminalisiert wurden, wenn sie ein Bier auf dem Hasslebachplatz tranken. Zum Teil wurden die viel beschworenen Nachwuchskräfte in der Art von Drogendealern nach Bierflaschen durchsucht, wobei selbst viele Polizisten sich für ihr Tun entschuldigten. Diese Tage sind vorerst vorbei aber die Stadt arbeitet nach eigenem Bekunden daran, die gesetzlichen Grundlagen wieder einzuführen.

Aber dieses Jahr läuft es anders. Man hat es nun auch auf die Konzert-Locations am Hassel abgesehen. Nachdem bereits im Frühjahr dem RIFF nur noch ein Konzert im Monat erlaubt wurde droht das Gleiche nun dem Café Central. Somit sind die beiden wichtigsten Konzertveranstalter im Zentrum faktisch ruhig gestellt. Dabei ist besonders das Central eine einzigartige private und für die Stadt daher kostenlose Kultureinrichtung, in der sich viele der wenigen Kreativen der Stadt zu Hause fühlen. Wir betreiben das Café mit einigen Partnern ehrenamtlich und nicht gewinnorientiert seit fast drei Jahren. Aus eigenen Mitteln, aus eigener Kraft. Doch anstatt uns einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt anzubieten werden wir wie Störenfriede behandelt. So wird der kleine Ansatz von Subkultur in Magdeburg zerstört und wir müssen uns mit häufigen Besuchen des Ordnungsamtes und der Polizei auseinandersetzen. Der Frust steigt!

Dabei hat die Stadtverwaltung gerade erst den nächsten Marketing-Coup auf die Agenda gehoben: man will Kulturhauptstadt 2020 werden. Wie das mit der systematischen Untersagung von Konzerten zusammengeht ist noch nicht klar. Vermutlich denkt man bei der Kulturhauptstadt an – Achtung(!): Hochkultur. Na dann…

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf den ganz großen Bruder im Osten: Berlin. Da haben sie auch ihre Probleme aber es gibt einen Bürgermeister, der  in einem kurzen Statement im Rahmen der Kampagne “Make it a Million!” für Berlin und dessen Facebookseite wirbt. Allein das zeigt, wie sehr man dort junge und kreative Menschen schätzt und ernst nimmt. Noch wichtiger ist aber sein Statement zu den “jungen Menschen, die hier herkommen, weil hier die Kreativität möglich ist, die sie an anderen Orten nicht finden.”

Ich finde ein besseres Marketing kann eine Stadt nicht haben, weil es mit den Menschen von heute umgeht, nicht mit denen von vor 1000 Jahren. Prost Wowi!

Hier der Link zum Wowereit-Video:

http://www.wuv.de/nachrichten/digital/wowereit_startet_facebook_kampagne_make_it_a_million_fuer_berlin

(dk)

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