PR zum mitfiebern: Holofernes / BILD

Was tun, wenn der Feind anfragt und einem ein gutes Geschäft vorschlägt? In kommerzialisierten Zeiten wie diesen kommt man da schnell in die Bredouille. Schließlich wird mit Mao-Shirts gutes Geld verdient und die einstige Alternativ-Brause „Bionade“ steht inzwischen für eine grün angehauchte Bürgerlichkeit.

Judith Holofernes und ihre Band „Wir sind Helden“ gehören, wie der Autor auch, zu dieser Bionade-Generation. Konsum- und Medienkritik gehören zu ihrem Künstlerdasein. Das kann man natürlich auch Image nennen. Und sie erreichte die inzwischen berühmte Anfrage der BILD Zeitung. Was also tun wird sie sich gefragt haben? Das sind die Momente im Leben, in denen man zeigen kann, wie es um die Ernsthaftigkeit der nach außen getragenen Gesinnung steht. Eine Absage war die notwendige Konsequenz. Nun ist im Internet ein breite Diskussion darüber entbrannt, ob die Art und Weise der Absage richtig war oder nicht.

Holofernes wird vorgeworfen, sie hätte einfach eine kurze Email schreiben können: „Danke für die Anfrage. Kein Bedarf. Viele Grüße.“ Diese Absagen gibt es sicher oft und niemand hätte das zur Kenntnis genommen. Fertig. Die Sängerin hat sich jedoch für die laute Art entschieden. In einem Offenen Brief auf der Bandhomepage greift sie die BILD an: „Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt…“ Natürlich bedankt sich die BILD mit einer großen Anzeige in der TAZ. Soviel Aufmerksamkeit im Internet hatte man schon lange nicht. Und dann auch noch völlig ohne Gagen.

Mag sein, dass Holofernes auf den Werbeeffekt für sich und ihre Band aus war. Vielleicht war das auch ein abgekartetes Spiel beider Seiten, wie manche vermuten. Trotzdem vertritt die Sängerin in dem Offenen Brief ihre Meinung und spricht Vielen aus der Seele. Es ist gut, dass Holofernes mit ihrer Gesinnung nicht hinterm Berg hält, sondern den Finger in die Wunde legt. Ab und zu braucht es jemanden, der mal laut schreit.

Und Fakt ist: sobald Holofernes das tut und sich damit in die Öffentlichkeit begibt, ist sie Teil des Spiels das PR heißt. Die BILD kann es sich eben leisten, sich süffisant in ganzseitigen Anzeigen für die ehrlichen Worte zu bedanken. Das war der Sängerin sicher von Anfang an bewusst. Schließlich hat sie ja einige Semester Marketing studiert. Und dennoch: eine leise Absage wäre das falsche, weil gar kein Signal gewesen.

Aber ja, auch „Wir sind Helden“ sind Nutznießer. Nach soviel aktivem Widerstand hat man sich auch eine kleine Umsatzsteigerung verdient!

Merke: PR ist eine Beziehung auf Gegenseitigkeit.

dk

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