Archiv für Mai, 2011

Wer profitiert vom Skype-Deal?

Nachdem Microsoft für die Übernahme von Skype eben mal 8,5 Milliarden US-Dollar auf den Tisch gepackt hab, dürfte die erste mögliche Antwort leicht fallen: Skype!

Nun darf man aber davon ausgehen, das Microsoft mehr zu tun hat als Geld zu verschenken. Die Frage ist also die nach der Langzeitperspektive. Schaut man sich Skype an, so hat man zunächst einen kostenlosen VoIP, sprich Voice over IP, Service – ganz banal ausgedrückt: man kann damit über das Internet telefonieren. Am Wort „kostenlos“ bleibt man dann vielleicht hängen – gerade wenn es zeitgleich um 8,5 Milliarden US-Dollar geht. Klar, es gibt bei Skype auch das kostenpflichtige Telefoniere ins Fest- bzw. Mobilfunknetz. Auch für größere Telefon- bzw. Videokonferenzen wird irgendwann ein Bezahlaccount nötig. Dabei liegt die Betonung auf „irgendwann“. Die Zahl der Menschen, die Skype kostenpflichtig nutzt ist aber vergleichsweise gering. Interesse bestand aber trotzdem an der Übernahme. Und das nicht nur bei Microsoft. Auch die anderen Branchenriesen Facebook und Google gehörten zu den potentiellen Interessenten.

Microsoft hat den Deal nun in der Tasche. Doch warum sollte das als Gewinn zu verbuchen sein? Gehen wir der Frage nach, so die These, müssen wir über Facebook reden. Letzten Endes könnte es genau Facebook sein, das von dem Deal profitiert. 2007 hatte sich Microsoft mit 240 Millionen US-Dollar ganze 1,6% Beteiligung an der Online-Community gesichert. Noch näher rückten beide Unternehmen durch die Integration von bing zusammen. Gerade in der offenen Begegnung Facebook vs. Google, dürfte der – nennen wir es mal so – Support durch Microsoft ordentlich Rückendeckung bieten. Schon jetzt suchen zahlreiche Menschen über Facebook nach bsp. Produkten; landen darüber bei bing und – jetzt kommt der Knackpunkt für Microsoft – eben nicht bei Google. So schlägt man eben 2 Fliegen mit einer Klappe. Wie sich Skype nun hier integrieren lässt, wird man wohl bald sehen. Denkbar ist der Login bei Skype via Facebook-Account, die Videotelefonie-Integration bei Facebook etc. pp sind dabei noch die offensichtlichsten Möglichkeiten. Man darf also gespannt sein, wie der nächste Schlagabtausch zwischen dem Tagteam Microsoft & Facebook vs. Google aussehen wird.

SJ

Advertisements

Eine Portion Selbstdarstellung

Soziale Medien, Internet und so kommen beim Selbstmarketing eigentlich immer gut, aber erstens twittert nicht jedeR und zweitens sind die eigenen Privatsphäreeinstellungen bei Facebook eigentlich so gewählt, dass die externe Facebookansicht eigentlich nichts zur Person verrät. Damit scheiden die zwei web2.0-trendigsten Möglichkeiten schon mal aus.

Was also tun um sich im Web selbst darzustellen?

Während es sich nicht empfiehlt mit den Sicherheitseinstellungen von Facebook zu experimentieren und ein Fanpage für Normalsterbliche eher deplaziert wirkt, könnte ein auf Karriere getrimmtes Profil bei Xing weiterhelfen. Obwohl auch dort ein Log in vor der Ansicht des Profils benötigt wird, ist es ein anerkanntes und in Deutschland weit verbreitetes Netzwerk der Selbstdarstellung für Beruf, Business und Co..

Mittels Baukastensystemen, auch CMS genannt, lässt sich eine eigene Webpage genauso schnell zusammenklicken (bspw. mittels  Yola), wie mit rudimentären html-Kenntnissen . Farbiger Hintergrund mit Bild und einigen Infos zur Person sind dann aber auch nicht so dolle. Wobei aber Seiten wie flavors.me zeigen was möglich ist.

Eine schöne Alternative ist www.about.me/wunschname . Mittels ein paar Klicks und einem Foto, kann extrem einfach eine aussagekräftige Webvisitenkarte kreiert werden und fortan als digitale Duftmarke mit weiterführenden Links für den Briefkopf, die Emailsignatur usw. genutzt werden. Die Analytiktools bieten dazu auch noch einiges an auswertbaren Daten an.

Einen Zusammenschnitt von Blog und Visitenkarte bietet www.myonid.de , was aber im Gegensatz zu about.me grafisch eher schwach ist, da es kein individualisiertes Design zulässt.

Wer ein wenig mehr will, dem seien Microblogingdienste wie identi.ca oder tumblr.com empfohlen. Beide bieten wirklich einfachste Wege zum Bloggen an.

Wie erfolgreich die Selbstdarstellung ist, kann dann mit threewords.me überprüft werden;-)

wg


Fill the gap!

Ich stehe ja Crowdsourcing-Projekten im Bereich Design eher skeptisch gegenüber. Zum einen wirkt die Vorstellung zusammen Ideen zu entwickeln natürlich sehr gut. Zum anderen sind Designprozesse aber oft sehr zeitintensiv und dann kommt doch schnell die Frage auf, wieviel Zeit man effektiv investieren wird, um an einem der Crowdsourcing Wettbewerben teil zu nehmen. Nicht selten ist der Vorwurf des Ideendiebstahls eine normale Begleiterscheinung. Dennoch entstehen immer wieder sehr schöne Sachen. Derzeit wird über ein solches Crowd-Verfahren gerade ein Logo für Human Rights gesucht. Das Ganze läuft über das darin sehr erfahrene Jovoto und damit hat man sich auch einen guten Partner an die Seite geholt. Schon jetzt gibt es ein paar wirklich gute Konzepte und ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

Ich selbst habe derzeit einen Entwurf eingereicht, der auf dem Gebärdensprache-Alphabet beruht. Dabei wurden die Zeichen für H und R abstrahiert übernommen. Ziel war es ein eingängiges Logo zu kreieren, das leicht von allen Menschen dargestellt werden kann. Ich freu mich über Feedback.

Zum Logo

SJ


Die Liveticker-Manie

Die Welt ist doch ungerecht. Es gibt so viele schöne Ereignisse an denen wir gern teilnehmen würden, und können es aber nicht. ABER es gibt ja den Liveticker. Nicht mehr nur für Sport- und Börsenfreunde. Jetzt können wir fast alles live verfolgen. Den Angriff in Lybien, die Katastrophe in Japan, die Monarchenhochzeit in England und sogar den Tod Osama bin Ladens (nachdem er bereits getötet wurde).

Der Spiegel schickte fünf Reporter nach London zur Traumhochzeit von Willi&Kate und ließ zusätzlich acht weitere aus Hamburg berichten. Der Liveticker verrät, dass der Tag früh beginnt, dass es großes Gedrängel vor Westminster Abby gibt und dass sich zwei Schaulustige Bacon braten. Informationsgehalt gleich null. Aber das allgemein große Interesse rechtfertigt vielleicht diese Form der leichten Unterhaltung ohne qualitativen Anspruch. Viel schlimmer sind die aktuellen Liveticker vom Tod Osama bin Ladens. Der Stern hat einen und sammelt dort im 5-Minuten Takt alle News rund um den Tod bin Ladens. Seien es Vermutungen, Behauptungen oder Statements von Ländern, Parteien oder Politikern. Die Freude, die Vorwürde, neueste Enthüllungen über den Ablauf des Angriffs, es wird uns suggeriert wir würden das politische Geschehen auf der Welt live verfolgen können. Stimmt natürlich nicht. Aber ist das nicht Aufgabe eines Livetickers? Live dabei sein. Sofort erfahren, wenn sich was tut. Wenn es Grund zum Jubeln gibt. Oder Grund sich Sorgen zu machen. Weil die Börsenkurse bergab stürzen oder die Favoritenmannschaft das zweite Tor kassiert. Nun fiebern wir mit den Arbeitern von Fukushima und den Hochzeitsgästen der Familie Windsor. Der Liveticker funktioniert nur, wenn er schnell ist. Live eben. Eine schnelle Berichterstattung geht aber meist auf Kosten der Qualität. Gut Ding will Weile haben. Der Spruch passt hier natürlich nicht, aber eine gute Recherche ist im Journalismus nun mal notwendig. Immerhin verlassen wir Leser uns auf das Handwerk der Profis. Der Liveticker-Trend begründet sich vielleicht auf unserer Informationsgier und hat so auch seine Berechtigung. Bei einigen Themen verkraften wir das, aber wenn es um Krieg und eine Nuklearkatastrophe geht, dann hat das Live-Erlebnis auch etwas Morbides.

gb