Archiv für August, 2011

Magdeburg halt!

Es hat sich viel getan in Deutschland. Noch vor ein paar Jahren war eine Stadt eine Stadt mit mehr oder weniger Reichtum an Sehenswürdugkeiten und Attraktivität. Es gab schöne und hässliche Städte und Regionen, arme und reiche, vom Krieg zerstörte oder eben nicht.

Heute ist das anders. Jede noch so kleine Stadt gräbt eine Figur aus ihrer Vergangenheit aus und macht diese zum wichtigen Akteur der Weltgeschichte. Magdeburg hat es neulich zur Ottostadt gebracht. Man gräbt und forscht sich durch das Erdreich und kommt schließlich zu dem Urteil, das Magdeburg vor ein- oder zweitausend Jahren einmal eine richtige Weltmetropole war. Jetzt ist alles gut, denn so legitimieren echte Wissenschaftler das schöne Gefühl des komplexbehafteten Bürgers, dass Magdeburg eine wichtige Stadt ist, was die Anderen nur noch nicht mitbekommen haben. Ehemals Dreh- und Angelpunkt eines Weltreiches, Ausgangspunkt der Christianisierung des Ostens und Ottos Lieblingspfalz. Das alles ergibt für Werber wie Politiker ein dankbares Motiv zur Identifizierung des Bürgers mit seiner Stadt. Hierbleiben ist das Motto, die Menschen sollen sich hier Arbeit suchen und mithelfen, die Stadt zu erhalten. Denn hier ist es schön und für alle wird gesorgt.

Dumm nur, dass das die meisten nicht sonderlich interessiert sind an den Dingen von vor 1000 Jahren. Und am wenigsten die unter 30-Jährigen. Vor allem die wollen abends gern entspannen, sich kulturell bilden, feiern, tanzen, oder auch einfach nur bei schönem Wetter ein Bier an der frischen Luft trinken. Doch soweit geht das Marketingdenken der Stadtoberen dann doch nicht. So konnte man in den letzten Jahren bereits erstaunt verfolgen, wie Magdeburger Bürger kriminalisiert wurden, wenn sie ein Bier auf dem Hasslebachplatz tranken. Zum Teil wurden die viel beschworenen Nachwuchskräfte in der Art von Drogendealern nach Bierflaschen durchsucht, wobei selbst viele Polizisten sich für ihr Tun entschuldigten. Diese Tage sind vorerst vorbei aber die Stadt arbeitet nach eigenem Bekunden daran, die gesetzlichen Grundlagen wieder einzuführen.

Aber dieses Jahr läuft es anders. Man hat es nun auch auf die Konzert-Locations am Hassel abgesehen. Nachdem bereits im Frühjahr dem RIFF nur noch ein Konzert im Monat erlaubt wurde droht das Gleiche nun dem Café Central. Somit sind die beiden wichtigsten Konzertveranstalter im Zentrum faktisch ruhig gestellt. Dabei ist besonders das Central eine einzigartige private und für die Stadt daher kostenlose Kultureinrichtung, in der sich viele der wenigen Kreativen der Stadt zu Hause fühlen. Wir betreiben das Café mit einigen Partnern ehrenamtlich und nicht gewinnorientiert seit fast drei Jahren. Aus eigenen Mitteln, aus eigener Kraft. Doch anstatt uns einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt anzubieten werden wir wie Störenfriede behandelt. So wird der kleine Ansatz von Subkultur in Magdeburg zerstört und wir müssen uns mit häufigen Besuchen des Ordnungsamtes und der Polizei auseinandersetzen. Der Frust steigt!

Dabei hat die Stadtverwaltung gerade erst den nächsten Marketing-Coup auf die Agenda gehoben: man will Kulturhauptstadt 2020 werden. Wie das mit der systematischen Untersagung von Konzerten zusammengeht ist noch nicht klar. Vermutlich denkt man bei der Kulturhauptstadt an – Achtung(!): Hochkultur. Na dann…

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf den ganz großen Bruder im Osten: Berlin. Da haben sie auch ihre Probleme aber es gibt einen Bürgermeister, der  in einem kurzen Statement im Rahmen der Kampagne „Make it a Million!“ für Berlin und dessen Facebookseite wirbt. Allein das zeigt, wie sehr man dort junge und kreative Menschen schätzt und ernst nimmt. Noch wichtiger ist aber sein Statement zu den „jungen Menschen, die hier herkommen, weil hier die Kreativität möglich ist, die sie an anderen Orten nicht finden.“

Ich finde ein besseres Marketing kann eine Stadt nicht haben, weil es mit den Menschen von heute umgeht, nicht mit denen von vor 1000 Jahren. Prost Wowi!

Hier der Link zum Wowereit-Video:

http://www.wuv.de/nachrichten/digital/wowereit_startet_facebook_kampagne_make_it_a_million_fuer_berlin

(dk)


I survived the 1st Google+ Wave

WG hat es schon vorgemacht und seine erste Bilanz zu Google+ gezogen. Da will ich mich anschließen und auch die ersten Tage Revue passieren lassen.

 

Erster Eindruck:

Was soll ich sagen. Als Designer spricht mich das Layout erst einmal absolut an. Alles ist schön gestyled und wirkt sehr clean. Hier und da wird das ganze mit einem verspielten Effekt garniert. Da hatten einige Leute Spaß bei Google und der sei ihnen auch gegönnt.

Also dann mal los: Leute finden und in die Circles packen. Zusätzliche Circles anlegen. Sparks einrichten und im Hangout telefonieren.

 

Zweiter Eindruck:

Google im Gesamten hat noch nicht den einheitlichen Sprung in die Plus-Welt geschafft. Das liegt mit Sicherheit am frühen Stadium. Doch diese Inkonsistenz fällt dann doch ab und an störend auf. Google-Docs kann ich leider nicht mit bestimmten Circles teilen. Mails funktionieren auch nach wie vor nur im altbewährten Prinzip. Kalender? Selbes Problem.

 

Die User und die Frage „Was ist Google+?“

Am Verhalten einiger User kann man eigentlich sehr schön die Antworten auf diese Frage sehen. Einige benutzen die neue Plattform wie Facebook. Posten Statusmeldungen. Adden Fotos. Liken bzw. Plussen usw.. Andere benutzen das Ganze direkt wie twitter und beginnen Circles mit tausenden Leuten anzulegen, denen sie folgen. Damit haben es zumindest diese Verhaltensweisen schon einmal in die neue Plus-Welt geschafft.

 

Infografiken hier und da

Wenn es seit der Einführung eines gibt, was boomt, dann die Infografik-Produktion. Ich weiß gar nicht wie viele Grafiken mir nun schon gesagt haben, das Facebook Firmenseiten hat und Google+ bislang nicht. Das es hier Skypetelefonate und dort Hangouts gibt und und und. So richtig herausragend ist das alles nicht. Wahrscheinlich lassen sich nur nicht so gut Infografiken dazu machen, dass man größtenteils noch gar nicht weiß wohin die Google+ Reise noch geht. So wirkt dann das meiste auch wirklich einfach substanzlos.

 

Warten

Gerade ist zumindest in meiner Google+ Welt Ruhe eingekehrt. Das heißt nicht das ich Google+ nicht mehr nutze. Vielmehr hat es aber bei mir eine andere Position als Facebook oder twitter. Als Managementtool für Projekte hat es bereits jetzt einige Qualitäten, die überzeugen und mit denen ich gern experimentiere. Da interessiert mich herzlich wenig, wer gerade Kaffee trinkt oder wer was zum Mittag hatte. Sollten mehr Google-Dienste (s.o. Docs, Mail, Kalender) mit Plus nutzbar werden, hat mich Google+ mit Sicherheit auf längere Sicht als festen User gewonnen.

 

SJ


„Lasst uns doch rüber zu Google+ gehen.“ – Billanz nach 35 Tagen.

Normalerweise wird erst nach 100 Tage abgerechnet aber nach der ersten Aufregung nun schon mal vorab eine höchst subjektive Sammlung der ersten Eindrücke vom Facebookkiller.

G+

G+

Ende Juni launchte Google, nach erprobten Muster, seine Version eines sozialen Netzwerkes über invites und bediente sich so gleich des Netzwerkeffektes. Sich selbst zum elitären Club der First-User-Generation zu zählen, war der von der Marketingabteilung angepeilte und erreichte Effekt.

Das Netzwerk ist mäßig innovativ dafür aber grafisch gelungen und optimal zusammengestellt. Bekannte Features aus Facebook, Linked In, twitter und Diaspora wurden beeindruckend zusammengedacht und Nutzerfreundlich gruppiert. Die in Circles angelegten Arten verschiedenster Freundeskreise erfreuen sich wie bei allen AnwenderInnen auch bei mir höchster Beliebtheit.

Private Nachrichten müssen nicht mehr in separaten Feldern erstellt werden, sondern werden über den Stream abgewickelt. Vlt. liegt ja hierin auch die Zukunft des Emailverkehrs. Die Mailbox verliert an Bedeutung und Nachrichten werden nach Priorität und über Zuordnung des Absenders in meinen Kreisen dargestellt. Das Postfach von GMail gibt dazu ja schon einen Vorgeschmack mit diversen automatischen Gruppierungsfunktionen.

G+ whattodo

Beim von twitter und Diaspora inspirierten Service Sparks ist noch nicht viel los, was aber eher daran liegt das die Musik noch drüben bei Facebook spielt. Es fehlen einfach noch der User generated Content. Google-News-Alerts und twitter-Hashtags in einem Dienst schaffen hoffentlich wieder mehr Übersichtlichkeit im Web der Millionen Neuigkeiten. Inhalte aber nicht mehr suchen zu müssen, sondern sich diese über Schlüsselwörter aufbereiten zu lassen ist ein wichtiger Baustein von G+. Das Feature „Huddle“ muss ich demnächst überhaupt erstmal ausprobieren um via SMS oder Smartphone mit meinen Kreisen zu kommunizieren.

Es ist zu hoffen das G+ bald andere Dienste der Datenkrake integriert. Emails an Circles, Kalender- und Termindarstellung und daran gekoppelte Veranstaltungsfunktionen wie bei Facebook, kollaboratives Arbeiten mit Google docs im Hangout und Circle (Wave lässt grüßen), Geodatenbezogene Services u.a. mit Google Places und daneben Darstellungsformate für nichtnatürliche Personen wie Firmen, Organisationen, Anliegen usw. offiziell anbietet.

spon googleDer Spiegel schreibt Google+ wäre das Facebbook für Erwachsene und hat recht, da Google als Mindestalter 18 vorschreibt, während die Kids schon ab 14 offiziell auch bei FB dabei sind. Ansonsten verkennt er, dass soziale Netzwerke viel mit Spieltrieb und weniger mit Erwachsensein zu tun haben. Die Erwachsenen interessieren sich vor allem dafür wie G+ für das Marketing eingesetzt werden kann.

Neben der Klarnamendebatte, fragt man sich warum diese Nutzergruppe zur Zeit noch so außen vor ist. War es nicht ein cleverer Schachzug von FB sich von Künstlern, Marken und  anderen selbstdarstellenden Institutionen Content, Traffic und Attraktivität liefern zu lassen um ihnen dann später Anzeigen zu verkaufen? Strategisch war dies auch weiter gedacht als bei den VZ-Netzwerken, in welchen Firmen dafür teure Edelprofile kaufen sollen.

Nach eigenen Aussagen dauert dies noch eine ganze Weile. Google haut dann sicher wieder nach altbewährtem Muster 100 Euro Gutscheine für Werbung bei G+ raus und mit einem Fingerschnippen sind dann alle auch hier an Bord. Genauso einfach kann sich Google auch nach Bereitstellung einer Programmierschnittstelle die Aufmerksamkeit kaufen und die Promotion externer Programm fördern.

google gutschein

Zur Bewertung lässt sich sagen, wenn bei einer Skypekonferenz mittendrin beschlossen wird, lieber rüber zu G+ zu gehen, wurde einiges richtig gemacht. So richtig was los ist leider noch nicht und verdammt viele Beiträge sind selbstreferenziell. Noch läuft die Party bei Facebook aber bei 20 Millionen Usern geht hier sicher noch einiges.

wg