Archiv für September, 2011

WTF Clooney Ad

Es gibt da einen neuen Werbespot mit George Clooney, über den wir in der Agentur eher geteilter Meinung sind: Die Herren finden ihn total witzig, ich bin da schon ein bisschen skeptisch, vielleicht auch, weil ich den Humor nicht so ganz verstehe, aber vielleicht gehe ich da auch ein bisschen zu rational an die Sache ran.

Erstmal davon abgesehen, dass ich kein besonders großer Clooney-Fan bin, bekomme ich in letzter Zeit nur noch was von seiner Person anhand irgendwelcher Werbespots mit (Martini, Nespresso, Anti-Nespresso). Kinder, die in dieser Zeit aufwachsen, müssen ein völlig verzerrtes Bild von ihm bekommen haben, sie müssen sich unentwegt fragen, wer ist dieser alte weißhaarige Mann in den Werbeunterbrechungen? Was kann er, was andere Werbemenschen nicht können? Aber ich schweife ab.

Worum es in diesem Spot geht: Eine blonde, nicht mehr ganz so frische Dame mittleren Alters, die etwas zerrüttet, aber dennoch perfekt geschminkt aussieht, schält sich aus einem Bett in einem nicht minder verwüsteten Apartment, wo unter Anderem ein Pferdekopf auf dem Fußboden liegt. Ein Pferdekopf eignet sich immer gut um zu signalisieren; Obacht, hier ist etwas Seltsames los. Beispielsweise auf witzigen Fotos oder Musikvideos (okay, ich finde gerade keins mit Pferdeköpfen, aber andere Tierköpfe gehen im Zweifelsfalle auch) und sowieso, Pferdeköpfe gibt es auch auf Amazon als lustiges Party-Utensil sogar mit Plüschhaaren für unter 20 Euro.

Wo war ich stehengeblieben. Also die Dame steigt aus dem Bett und schaut sehr verwirrt drein, außerdem fehlen ihr Augenbrauen, aber das hat glaube ich nichts mit der Story zu tun. Also sie sitzt da so und sieht dass sie einen Ring am Finger hat und dann steht sie auf und findet ein Hochzeitskleid, dass sie offensichtlich getragen haben muss und Hochzeitsfotos, wo sie neben einem Bräutigam sitzt, der einen Pferdekopf (s.o.) trägt und fragt sich wohl nur so „ey krass Mann voll heftig was ging da denn ab?“
Und dann öffnet sich die Tür und ein alter Mann George Clooney kommt herein und betascht sie ganz zärtlich ( „so cute!“) und sie setzen sich zusammen vor einen Laptop und er zeigt ihr ein Haus, dass er sich mit ihr zusammen kaufen möchte und sie findet das wohl alles ganz in Ordnung so und dann titelt der Abspann auf Norwegisch:“ Manche Menschen haben Glück im Leben – Für den Rest von uns könnte Sparen schlau sein“.
Die Werbung wirbt also weder für Sofortbildkameras noch für Immobilien, lustige Pferdeköpfe, Roofies oder andere Betäubungsmittel sondern für eine Bank!

Ich stelle mal ganz außer Frage, dass die meisten Frauen in dieser Situation schreiend aus dem Zimmer rennen und unmittelbar die Polizei alarmieren würden, ich frage mich die ganze Zeit nur, was zur Hölle ist mit dieser armen Frau passiert? Mein Kollege meint „übelster Absturz“ aber dieser Absturz muss sich ja Wochen hingezogen haben, zumindest wenn man davon ausgeht dass eine gemeinsame Beziehung, ein Antrag und/oder zumindest der bürokratisch aufwendige Weg einer Anmeldung der Trauung bei der Standesbehörde stattgefunden haben muss, es sei denn die Hochzeit fand in Las Vegas statt, aber das hier soll ja offensichtlich Norwegen sein.
Mir kamen statt Parallelen zum Hollywood-Schlager Hangover ganz andere Interpretationen in den Sinn: Diese Frau muss einen schrecklichen Unfall gehabt haben, oder jemand hat sie gekidnappt und sie wurde das Opfer von schrecklichen Hirnexperimenten, bei denen ihr der Hippocampus und der Frontallappen entfernt wurden (das würde auch eine Erklärung für die fehlenden Augenbrauen liefern). Oder sie hatte schon immer einen neurologischen Defekt aufgrund dessen sie wie bei Butterfly Effect immer von einer Situation zur nächsten springt und befand sich eben noch in einem Gefängnis voller Schwerverbrecher – man weiß es nicht!

So Spaß bei Seite, halten wir Clooney mal zu Gute, dass er diesmal nicht für den skandalträchtigen Nestlé-Konzern Werbung macht, sondern für ein seriöses (?) Geldinstitut, das auch noch aus Norwegen stammt.

Und der Spot ist ja auch recht solide gemacht, abgesehen davon, dass man zwischendrin die Kamera im Spiegel sieht, aber das ist ja auch eine Kunst für sich, so einen Raum mit Spiegeln zu filmen. Dafür gibt es ein tolles Luxus-Ambiente und eine herausragende Schauspiel-Leistung der Dame fast eine Minute lange verwundert zu gucken. Und es ist ein schöner Schachzug von einer solch konservativen Institution wie einer Bank, einen witzigen Spot mit Pferdekopf zu drehen.
Und außerdem spielt George Clooney mit, ich meine, George Clooney!
(ls)


Hornbach YippieYeah: Mach es zu deinem Liebesprojekt

UPDATE: Die Social Media Akademie hat ebenfalls einen Artikel zum Hornbach Case veröffentlich, der zudem ein Interview mit dem Community Manager alias Mr. Hornbach enthält. Den Artikel findet ihr hier!

Pünktlich zum Wochenende haben „#hach“ und „<3“ Tweets und Statusmeldungen mal wieder Hochkonjunktur in meiner Timeline. Zu verdanken haben wir das in diesem Fall Hornbach, beziehungsweise Oliver und Sajena die sich auf der Fanpage Hornbach YippieYeah einen romantischen Dialog liefern. Angefangen hat alles mit der folgenden Anfrage von Oliver auf der Hornbach Fanpage:

Originalpost: wer ist das mädchen

Originalpost: wer ist das mädchen

Nicht nur die sehr kommunikativ agierenden Community Manager von Hornbach steigen auf die Diskussion ein, sondern bald gibt es auch Tipps von den Fans die Oliver helfen sollen, seine Herzdame anzusprechen, wie beispielsweise diesen hier:

Nutzerkommentar

Tjaaa, leider ist die gute Sajena schon vergeben und so wird nichts aus dem Hornbach Social Media Traumpaar 2011, dem Einladungen zu den nächsten Kommunikationskongressen, Vorträge auf der re:publica 12 und Angebote für die kostenlose Ausrichtung ihrer Hochzeit durch Frank Mathee und der Ausgestaltung ihrer Wohnung durch Tine Wittler sicher gewesen wären.

Sajenas Antwort

Sajenas Antwort

Aber, das fehlende Happy End nimmt dieser Facebook Romanze keinesfalls ihre Wirkung, auch wenn einige Fans nun meinen, dass Sajena sich unbedingt von Ihrem Freund trennen & Oliver am besten direkt heiraten sollte.

Was bleibt:

Chapeau an das Community Management bei Hornbach, dass diese süße Geschichte am laufen gehalten hat und sich dabei extrem viele Sympathiepunkte bei den Fans sichern konnte. Nicht nur an den schnellen Antworten, auch an der sehr gut angepassten Tonalität sollten sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen. Die meisten Unternehmen würden auf einen solchen Post sicher gar nicht reagieren. Engangiertes Customer Relationship Management via Facebook funktioniert aber besonders dann, wenn man auf die Fans eingeht, auch wenn es dabei nicht direkt um produktbezogene Fragen geht. Die Hornbach Mitarbeiter und ihre Zusammenarbeit und Kommunikation wurden jedenfalls sehr positiv dargestellt.

Mit ca. 700 „Gefällt mir“ und mehr als 300 Kommentaren treibt dieser Post die Interaktionsrate auf der Hornbach Seite definitiv nach oben. Und auch in den Fanzahlen lässt sich ein deutliches Plus ausmachen. Da riecht der eine oder andere User natürlich einen „Fake“ und „virales Marketing“, auch wenn „Mr. Hornbach“ das dementiert. Mag sein, mag nicht sein. Irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass hier eine gute Gelegenheit ergriffen wurde und „die böse Agentur“ diesmal ihre Finger nicht im Spiel hatte.

Natürlich gibt es auch schon eine Fanseite auf Facebook, die mit ca. 35 Fans aber eher klein ist: Die Horbach Lovestory

Oliver, ich wünsch dir viel Glück, dass du über deine 15min Ruhm bald doch eine nette Freundin findest. Aber geh doch bitte draußen auf die Suche und wenn du die nette Kassiererin im Supermarkt ansprechen möchtest, dann hast du ja jetzt ausreichend Tips dafür!

Schön, wenn Social Media auch mal was fürs Herz bereithält. Und damit ihr auch noch was fürs digitale Herz habt, geben wir euch dieses schöne Lied mit ins Wochenende. Liebt euch, verliebt euch und habt eine schöne Zeit Miteinander #hach ❤ !

Weitere Blogbeiträge zum Thema:

YippiehYeah: Hornbach als Amor

Das wahre Leben oder die Hornbach Romanze bei Facebook (Off the Record)

Hornbach YippieYeah oder der Facebook Effekt & großartiges Community Management


Hotelbuchung im Sturzflug

Kaum zu glauben, wie schnell man heutzutage „in letzter Minute“ ein Hotel buchen kann, wie in folgendem Video zu sehen:

Ein Mann springt, mit einem iPhone in der Hand, aus dem Helikopter. Er berührt ein paar Mal den Touchscreen, macht zwischendurch Luftrollen und kommt schließlich im gewünschten gebuchten Hotel unbeschadet an. Jetzt kann man also ganz sorglos per App sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten in wenigen Sekunden reservieren. Selbst beim Fallschirmspringen.

Da tut sich erst einmal die Frage auf, ob man das wirklich braucht?
Natürlich ist das Video ein ganz klein wenig übertrieben aber die Grundidee ist, meiner Ansicht nach, ganz richtig gedacht. Im Vergleich zu früher, kann man heute einfach nicht mehr die Monate im Vorraus planen. Meetings, Geschäftstreffen und selbst Familienurlaube werden kurzfristig gelegt und schnell gebucht. Die zeitliche und räumliche Organisation von Arbeiten und Leben ist völlig entgrenzt. Beschäftigte haben wenig Einfluss auf ihre Arbeitzeitpläne, ihre Arbeitseinsätze sind häufig kurzfristig, entrhytmisiert und wenig planbar. Insofern ist ein Service durch Buchen, Reservieren und Stornieren erforderlich, der unpersönlich und schnell vonstatten gehen sollte. Umkoordinieren sollte auch dort unproblematisch möglich sein.
Die Zeit für persönliche Anrufe ist einfach nicht mehr da. Hatte man früher die Muße ein Telefonbuch herauszukramen und das günstigste Hotel mit dem besten Service anzurufen, geht man heute schnell mobil online, sucht sich das optisch ansprechendste Angebot heraus und bucht dieses dann mal eben. Es hat auch niemand hat den Elan, eine, meist teure, Auskunft anzurufen um so die nächstgelegene Übernachtungsmöglichkeit zu finden.
Das geht eben wie im Flug mit dem iPhone.
Und um zu erreichen, dass Onlinenutzer von der eigene Seite eingenommen sind, müssen eben die Werbebotschaften gezielt und effektiv wirken. In diesem Werbefilm wird nicht nur erfolgreich gezeigt, wie schnell sich solch eine Onlinebuchung vollziehen kann, sondern auch, welchen Stellenwert Smartphones im Bereich Hotelbuchung inzwischen einnehmen.

Wir lieben diesen Spot, weil er die Kerneigenschaften des Produktes und der heutigen Entwicklung aufzeigt und es schafft dies zu vermarkten. Diese Basics werden dann noch mit Spaß und Action gewürzt und voilà wir haben virales Potential.

Dieser Blogpost wurde von Dominique Kauer verfasst, die bei KNO ein einwöchiges Schulpraktikum absolviert. Herzlichen Dank und schön, dass du bei uns bist Dominique!

Virales Fundstück aus Dänemark

Ein dänisches Werbevideo hat in den letzten Tagen auch seinen viralen Weg nach Deutschland gefunden, und erfreut sich großer Beliebtheit:

„Byturen“ auf www.byturen.com

Auf den ersten Blick ähneln die farbenfrohen Hochglanz-Bilder, in denen fröhliche Party-Menschen ihrem Club-Abend fröhnen, der deutschen „Alkohol? Kenn dein Limit“-Kampagne und man wartet darauf, dass der Text „Sie feiert heute hemmungslos – Er stellt sie morgen nackt ins Netz“ eingeblendet wird.
Aber das Video kann viel mehr, bewegt man nämlich den Mauszeiger über die schönen Bilder, verwandelt sich das ansprechende Ambiente in triste Umgebung und die gut gestylten Menschen in mitleidserregende Kreaturen. In völlig betrunkenem Zustand vermasseln sie all die tollen Gelegenheiten, die sich ihnen bei der cleanen Version bieten: Statt Flirt hagelt es Abfuhren, statt sexy Dance wird über den Fußboden gekraxelt und auch der Gang zur Toilette entpuppt sich als organisatorische Meisterleistung. Unterteilt sind die verschiedenen Stationen der Partynacht in Uhrzeiten von 1:05 Uhr bis 6:14 Uhr, die man einzeln anwählen kann. Manche Darstellungen wie das Wand-Anpinkeln sind vielleicht etwas übertrieben, andere hingegegen wirken irgendwie erschreckend vertraut. So erscheint mir der Tanzstil von den Jungs in 2:17 Uhr ja beinahe als Standard vieler Studenten-Discos, wo gewöhnlich einiges an Bier von Nöten ist, bis man(n) sich auf die Tanzfläche traut, aber das nur am Rande.

Somit spricht die Kampagne schon inhaltlich besonders das junge Publikum an, das in Dänemark auch leider europaweit die Spitze des Alkoholmissbrauchs unter Kindern und Jugendlichen anführt (www.sst.dk).
Was den Clip aber so besonders und auch für andere Zielgruppen spannend macht, ist die interessant gewählte interaktive Steuerung. Wo sich viele sogenannte „Augmented Videos“ (ich finde die Bezeichnung etwas unpassend, vielleicht hat jemand eine bessere) im Online-Marketing noch darauf beschränken, dass man durch einen Klick den Fortgang der Story herbeiführen kann oder nach einmaligem Eingeben seines Namens irgendwann mal bei diesem genannt wird, ist hier durchängig der Zuschauer gefordert und wird mit abwechslungsreichen Darstellungen in die Geschichte eingebunden.
Für solch innovative Videos sind die Skandinavier wohl prädestiniert, erinnert man sich an eines der erfolgreichsten Virals überhaupt: „The Hero“ aus Schweden. Nach Hochladen eines Porträit-Fotos konnte man hier selbst zum Hauptdarsteller des Films werden (mittlerweile offline, Bericht z.B. auf www.pc-blog-berlin.de).
Die Zukunft zeigt uns interaktives Fernsehen, interaktive Hörspiele, warum also nicht auch interaktive Werbe-Filme? Da ist auf jeden Fall noch viel Platz nach oben: Denn wem es wie mir geht, und der sich nach dreißig Sekunden Youtube-Video schon anfängt zu langweilen und bei neuen Musikvideos grundsätzlich alle paar Sekunden in der Zeitleiste nach vorne klickt, findet in diesem Format vielleicht etwas ansprechendere Unterhaltung. Vorausgesetzt sie ist so professionell und fließend umgesetzt wie in „byturen.com“.

Verantwortlich für den Clip zeigt sich übrigens die dänische Werbeagentur Bocca (bocca.dk), nach der man auf der Video-Seite vergeblich sucht. Auch auf ihrer Firmen-Webseite zeigen sie sich zurückhaltend, dort erfährt man aber zumindest, dass zu ihren Kunden vom Teppich-Geschäft Tæppeland über HTC-Smartphones auch das größte skandinavische Billigflug-Unternehmen Norwegian zählt.

Aber wofür wirbt das Video nun? In der letzten Szene werden die Darsteller glücklich und zufrieden auf der sicheren Heimfahrt in einem Bus gezeigt, während sie beim Mouse-Over völlig heruntergekommen und fertig in einer Gasse herumlungern. Dazu der dänische Text: „Ist es Zeit, nach Hause zu kommen?“ und das Logo von Movia, einem dänischen Verkehrsunternehmen.
Also trügt der Schein einer Anti-Alkohol-Kampagne, auch wenn die zeigefingerhebende Warnung, dass man nach zu viel Suff nicht mehr Herr seiner Sinne ist, wohl unmissverständlich mitschwingt. Muss aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern so ankommen, wie ein Kommentar auf dem Fun-Blog chilloutzone beweist:
Das Video will uns sagen: „Trinkt mehr Alkohol, die Realität ist scheiße.“
In diesem Sinne, ich nehm dann mal noch einen Pfeffi mit in die Straßenbahn.

(ls)