WTF Clooney Ad

Es gibt da einen neuen Werbespot mit George Clooney, über den wir in der Agentur eher geteilter Meinung sind: Die Herren finden ihn total witzig, ich bin da schon ein bisschen skeptisch, vielleicht auch, weil ich den Humor nicht so ganz verstehe, aber vielleicht gehe ich da auch ein bisschen zu rational an die Sache ran.

Erstmal davon abgesehen, dass ich kein besonders großer Clooney-Fan bin, bekomme ich in letzter Zeit nur noch was von seiner Person anhand irgendwelcher Werbespots mit (Martini, Nespresso, Anti-Nespresso). Kinder, die in dieser Zeit aufwachsen, müssen ein völlig verzerrtes Bild von ihm bekommen haben, sie müssen sich unentwegt fragen, wer ist dieser alte weißhaarige Mann in den Werbeunterbrechungen? Was kann er, was andere Werbemenschen nicht können? Aber ich schweife ab.

Worum es in diesem Spot geht: Eine blonde, nicht mehr ganz so frische Dame mittleren Alters, die etwas zerrüttet, aber dennoch perfekt geschminkt aussieht, schält sich aus einem Bett in einem nicht minder verwüsteten Apartment, wo unter Anderem ein Pferdekopf auf dem Fußboden liegt. Ein Pferdekopf eignet sich immer gut um zu signalisieren; Obacht, hier ist etwas Seltsames los. Beispielsweise auf witzigen Fotos oder Musikvideos (okay, ich finde gerade keins mit Pferdeköpfen, aber andere Tierköpfe gehen im Zweifelsfalle auch) und sowieso, Pferdeköpfe gibt es auch auf Amazon als lustiges Party-Utensil sogar mit Plüschhaaren für unter 20 Euro.

Wo war ich stehengeblieben. Also die Dame steigt aus dem Bett und schaut sehr verwirrt drein, außerdem fehlen ihr Augenbrauen, aber das hat glaube ich nichts mit der Story zu tun. Also sie sitzt da so und sieht dass sie einen Ring am Finger hat und dann steht sie auf und findet ein Hochzeitskleid, dass sie offensichtlich getragen haben muss und Hochzeitsfotos, wo sie neben einem Bräutigam sitzt, der einen Pferdekopf (s.o.) trägt und fragt sich wohl nur so „ey krass Mann voll heftig was ging da denn ab?“
Und dann öffnet sich die Tür und ein alter Mann George Clooney kommt herein und betascht sie ganz zärtlich ( „so cute!“) und sie setzen sich zusammen vor einen Laptop und er zeigt ihr ein Haus, dass er sich mit ihr zusammen kaufen möchte und sie findet das wohl alles ganz in Ordnung so und dann titelt der Abspann auf Norwegisch:“ Manche Menschen haben Glück im Leben – Für den Rest von uns könnte Sparen schlau sein“.
Die Werbung wirbt also weder für Sofortbildkameras noch für Immobilien, lustige Pferdeköpfe, Roofies oder andere Betäubungsmittel sondern für eine Bank!

Ich stelle mal ganz außer Frage, dass die meisten Frauen in dieser Situation schreiend aus dem Zimmer rennen und unmittelbar die Polizei alarmieren würden, ich frage mich die ganze Zeit nur, was zur Hölle ist mit dieser armen Frau passiert? Mein Kollege meint „übelster Absturz“ aber dieser Absturz muss sich ja Wochen hingezogen haben, zumindest wenn man davon ausgeht dass eine gemeinsame Beziehung, ein Antrag und/oder zumindest der bürokratisch aufwendige Weg einer Anmeldung der Trauung bei der Standesbehörde stattgefunden haben muss, es sei denn die Hochzeit fand in Las Vegas statt, aber das hier soll ja offensichtlich Norwegen sein.
Mir kamen statt Parallelen zum Hollywood-Schlager Hangover ganz andere Interpretationen in den Sinn: Diese Frau muss einen schrecklichen Unfall gehabt haben, oder jemand hat sie gekidnappt und sie wurde das Opfer von schrecklichen Hirnexperimenten, bei denen ihr der Hippocampus und der Frontallappen entfernt wurden (das würde auch eine Erklärung für die fehlenden Augenbrauen liefern). Oder sie hatte schon immer einen neurologischen Defekt aufgrund dessen sie wie bei Butterfly Effect immer von einer Situation zur nächsten springt und befand sich eben noch in einem Gefängnis voller Schwerverbrecher – man weiß es nicht!

So Spaß bei Seite, halten wir Clooney mal zu Gute, dass er diesmal nicht für den skandalträchtigen Nestlé-Konzern Werbung macht, sondern für ein seriöses (?) Geldinstitut, das auch noch aus Norwegen stammt.

Und der Spot ist ja auch recht solide gemacht, abgesehen davon, dass man zwischendrin die Kamera im Spiegel sieht, aber das ist ja auch eine Kunst für sich, so einen Raum mit Spiegeln zu filmen. Dafür gibt es ein tolles Luxus-Ambiente und eine herausragende Schauspiel-Leistung der Dame fast eine Minute lange verwundert zu gucken. Und es ist ein schöner Schachzug von einer solch konservativen Institution wie einer Bank, einen witzigen Spot mit Pferdekopf zu drehen.
Und außerdem spielt George Clooney mit, ich meine, George Clooney!
(ls)

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