Es ist Veränderung

Am Mittwoch, den 26.10.2011 wird um 19 Uhr das Ausstellungsprojekt Benutzeroberfläche STADT im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg eröffnet werden. Das bedeutet für mich eine sehr arbeitsintensive kommende Woche, die vor mir liegt. Vor, nach und zwischen der Arbeit geht es dann ins Kloster, um an der Ausstellung zu werkeln. Zum anderen freut es mich aber auch diesen neuen Raum zu haben, um mich auszuleben. Der Kulturschwärmer Magdeburg fragte für die aktuelle Ausgabe für einen Gastbeitrag an, in dem ich mich noch einmal gesondert mit dem Verhältnis (sub)urbaner Kultur und offizieller Ausstellungsräume befassen sollte. Der Beitrag ist im aktuellen Kulturschwärmer zu finden. Für alle Leser/innen des Blogs möchte ich ihn aber auch noch einmal auf diesem Wege zugänglich machen.

Es ist Veränderung statt Verlust von Authentizität
Kulturschwärmer Oktober 2011 

Banksy – ein Name, der fast schon zum Synonym für urbane Kunst und Streetart geworden ist. Popularität verändert aber auch vieles. Einige seiner Arbeiten werden mittlerweile für viel Geld gekauft – und verkauft. Man muss nicht unbedingt verstehen, warum einige Menschen Geld für Sachen ausgeben, die andernorts einfach im Stadtbild zu finden sind. Feststellen kann man aber: es passiert. Streetart, nicht nur Banksy, ist populär geworden und der urbane Style funktioniert schon seit Jahren im Marketing. Das, was einst in einer Form von Protest entstand, hat den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden. Heute gibt es Firmen die sich ihre Büros durch aufwendige Graffiti-Werke verschönern lassen; Modemarken, die sich teuer die Namen der Szene einkaufen und Streetart-Workshops in der Jugendsozialarbeit. „Früher war alles besser“, mögen einige sagen. Und das Ideale verraten wurden. Ich denke eher, das Veränderung ein normaler Prozess ist. Menschen sind mit ihren Protestformen und subkulturellen Codes älter geworden. Vielleicht haben unsere Eltern damals gehofft, dass das nur der jugendliche Sturm und Drang sei – eine Phase, die vorbei geht. Dem war wohl nicht so. Die bösen und aufsässigen Jugendlichen von Früher sind die tätowierten Erwachsenen von Heute. Das ist eine Veränderung, die ich durchaus sehr schätze. Und die mich gelassen hinnehmen lässt, wenn sich ein Banksy-Werk für viel Geld verkaufen lässt.

Urbane bzw. suburbane Kultur – darum soll es auch in „Benutzeroberfläche Stadt“ gehen. Insgesamt werden elf Menschen aus den Bereichen Streetart und Graffiti zusammen die Ausstellung entwickeln und mit ihren jeweiligen Stilen und Arbeitsweisen aufeinander treffen. Ich wurde ebenfalls angefragt und habe mir natürlich die Frage gestellt: „Will ich überhaupt mit dem, was ich mache, in so einen Raum?“ Streetart begegnet uns, so sagt ja schon der Name, im Alltag – an Häuserwänden, als Installation, als Sticker und und und. Sie verändert ein Stadtbild und ist als Protestform und künstlerische Intervention groß geworden. „Stadt“ wurde zum Medium der Kommunikation, um sich sichtbar zu machen und Probleme zu thematisieren. Und nun eine Ausstellung im Kunstmuseum? Wir sind also zurück bei der beschriebenen Bewegung in die Mitte. Aber verlieren wir unsere Ansprüche und unsere Authentizität? Oder ist es die gesellschaftliche Veränderung; unsere Veränderung, die es ermöglicht, heute auch Räume wie ein Kunstmuseum zu erreichen? Ich denke es ist Letzteres, und wir haben ein neues Medium, mit dem wir auch hier wieder versuchen werden, mit anderen zu kommunizieren – über das was uns wichtig ist, was wir mögen und was uns stört.

SJ

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s