Fundstücke

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Bild: Screenshot aus der Präsentation zu „How Designers Destroyed the World“

Über den Blog Nerdcore bin ich gestern (als langjähriger Fan der Seite) auf den Mitschnitt von Mike Monteiros Beitrag auf der Webstock’13 gestoßen. Auf Mike bin ich vor einiger Zeit durch sein wunderbares Buch „Design is a Job“ aufmerksam geworden. Ohne dazu groß Worte zu verlieren: It`s worth reading & buying! (z.B. hier bei unseren Freunden und Kollegen bei marmalade)

Ich war also äußert gespannt, was es bedeutet, wenn sich Mike unter dem Titel „How Designers Destroyed the World“ an die Öffentlichkeit wendet. Needless to say: He loves his job!

Und: Offenbar hat mir das Ganze sehr gut gefallen, sonst würde ich wohl kaum einen Blogbeitrag dazu verfassen. Es gibt viele Dinge die wir unter professionellen Gesichtspunkten als Designer richtig machen können. Mike erweitert im Talk nun diesen Fokus und erinnert an all unsere Verantwortung für die Sachen, die wir der Welt, unseren Kunden, unserem Handwerk und vor allem uns selbst zumuten.

„Never trust a designer who has never been punched in the mouth.“

– Mike Monteiro

Dabei argumentiert Mike eben nicht selbstgefällig vom oft genannten Elfenbeinturm aus. Wer seine Geschichte kennt, wird wissen, dass er selbst einen langen harten Weg als Designer hinter sich hat. Sein Vortrag hat eine sehr konstruktive Aussage, wenn er uns als Designer daran erinnert (was eigentlich sehr erscheckend ist, dass er es machen muss) eben nicht nur einfach unseren Job zu machen, sondern auch mal den Mund auf zu machen, wenn etwas in unseren Augen falsch ist. Dabei geht es natürlich auch darum Konsequenzen tragen zu wollen. Aber seht selbst. Ich kann euch diese 47 Minuten jedenfalls nur sehr ans Herz legen.

Here we go:


Hornbach YippieYeah: Mach es zu deinem Liebesprojekt

UPDATE: Die Social Media Akademie hat ebenfalls einen Artikel zum Hornbach Case veröffentlich, der zudem ein Interview mit dem Community Manager alias Mr. Hornbach enthält. Den Artikel findet ihr hier!

Pünktlich zum Wochenende haben „#hach“ und „<3“ Tweets und Statusmeldungen mal wieder Hochkonjunktur in meiner Timeline. Zu verdanken haben wir das in diesem Fall Hornbach, beziehungsweise Oliver und Sajena die sich auf der Fanpage Hornbach YippieYeah einen romantischen Dialog liefern. Angefangen hat alles mit der folgenden Anfrage von Oliver auf der Hornbach Fanpage:

Originalpost: wer ist das mädchen

Originalpost: wer ist das mädchen

Nicht nur die sehr kommunikativ agierenden Community Manager von Hornbach steigen auf die Diskussion ein, sondern bald gibt es auch Tipps von den Fans die Oliver helfen sollen, seine Herzdame anzusprechen, wie beispielsweise diesen hier:

Nutzerkommentar

Tjaaa, leider ist die gute Sajena schon vergeben und so wird nichts aus dem Hornbach Social Media Traumpaar 2011, dem Einladungen zu den nächsten Kommunikationskongressen, Vorträge auf der re:publica 12 und Angebote für die kostenlose Ausrichtung ihrer Hochzeit durch Frank Mathee und der Ausgestaltung ihrer Wohnung durch Tine Wittler sicher gewesen wären.

Sajenas Antwort

Sajenas Antwort

Aber, das fehlende Happy End nimmt dieser Facebook Romanze keinesfalls ihre Wirkung, auch wenn einige Fans nun meinen, dass Sajena sich unbedingt von Ihrem Freund trennen & Oliver am besten direkt heiraten sollte.

Was bleibt:

Chapeau an das Community Management bei Hornbach, dass diese süße Geschichte am laufen gehalten hat und sich dabei extrem viele Sympathiepunkte bei den Fans sichern konnte. Nicht nur an den schnellen Antworten, auch an der sehr gut angepassten Tonalität sollten sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen. Die meisten Unternehmen würden auf einen solchen Post sicher gar nicht reagieren. Engangiertes Customer Relationship Management via Facebook funktioniert aber besonders dann, wenn man auf die Fans eingeht, auch wenn es dabei nicht direkt um produktbezogene Fragen geht. Die Hornbach Mitarbeiter und ihre Zusammenarbeit und Kommunikation wurden jedenfalls sehr positiv dargestellt.

Mit ca. 700 „Gefällt mir“ und mehr als 300 Kommentaren treibt dieser Post die Interaktionsrate auf der Hornbach Seite definitiv nach oben. Und auch in den Fanzahlen lässt sich ein deutliches Plus ausmachen. Da riecht der eine oder andere User natürlich einen „Fake“ und „virales Marketing“, auch wenn „Mr. Hornbach“ das dementiert. Mag sein, mag nicht sein. Irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass hier eine gute Gelegenheit ergriffen wurde und „die böse Agentur“ diesmal ihre Finger nicht im Spiel hatte.

Natürlich gibt es auch schon eine Fanseite auf Facebook, die mit ca. 35 Fans aber eher klein ist: Die Horbach Lovestory

Oliver, ich wünsch dir viel Glück, dass du über deine 15min Ruhm bald doch eine nette Freundin findest. Aber geh doch bitte draußen auf die Suche und wenn du die nette Kassiererin im Supermarkt ansprechen möchtest, dann hast du ja jetzt ausreichend Tips dafür!

Schön, wenn Social Media auch mal was fürs Herz bereithält. Und damit ihr auch noch was fürs digitale Herz habt, geben wir euch dieses schöne Lied mit ins Wochenende. Liebt euch, verliebt euch und habt eine schöne Zeit Miteinander #hach ❤ !

Weitere Blogbeiträge zum Thema:

YippiehYeah: Hornbach als Amor

Das wahre Leben oder die Hornbach Romanze bei Facebook (Off the Record)

Hornbach YippieYeah oder der Facebook Effekt & großartiges Community Management


Virales Fundstück aus Dänemark

Ein dänisches Werbevideo hat in den letzten Tagen auch seinen viralen Weg nach Deutschland gefunden, und erfreut sich großer Beliebtheit:

„Byturen“ auf www.byturen.com

Auf den ersten Blick ähneln die farbenfrohen Hochglanz-Bilder, in denen fröhliche Party-Menschen ihrem Club-Abend fröhnen, der deutschen „Alkohol? Kenn dein Limit“-Kampagne und man wartet darauf, dass der Text „Sie feiert heute hemmungslos – Er stellt sie morgen nackt ins Netz“ eingeblendet wird.
Aber das Video kann viel mehr, bewegt man nämlich den Mauszeiger über die schönen Bilder, verwandelt sich das ansprechende Ambiente in triste Umgebung und die gut gestylten Menschen in mitleidserregende Kreaturen. In völlig betrunkenem Zustand vermasseln sie all die tollen Gelegenheiten, die sich ihnen bei der cleanen Version bieten: Statt Flirt hagelt es Abfuhren, statt sexy Dance wird über den Fußboden gekraxelt und auch der Gang zur Toilette entpuppt sich als organisatorische Meisterleistung. Unterteilt sind die verschiedenen Stationen der Partynacht in Uhrzeiten von 1:05 Uhr bis 6:14 Uhr, die man einzeln anwählen kann. Manche Darstellungen wie das Wand-Anpinkeln sind vielleicht etwas übertrieben, andere hingegegen wirken irgendwie erschreckend vertraut. So erscheint mir der Tanzstil von den Jungs in 2:17 Uhr ja beinahe als Standard vieler Studenten-Discos, wo gewöhnlich einiges an Bier von Nöten ist, bis man(n) sich auf die Tanzfläche traut, aber das nur am Rande.

Somit spricht die Kampagne schon inhaltlich besonders das junge Publikum an, das in Dänemark auch leider europaweit die Spitze des Alkoholmissbrauchs unter Kindern und Jugendlichen anführt (www.sst.dk).
Was den Clip aber so besonders und auch für andere Zielgruppen spannend macht, ist die interessant gewählte interaktive Steuerung. Wo sich viele sogenannte „Augmented Videos“ (ich finde die Bezeichnung etwas unpassend, vielleicht hat jemand eine bessere) im Online-Marketing noch darauf beschränken, dass man durch einen Klick den Fortgang der Story herbeiführen kann oder nach einmaligem Eingeben seines Namens irgendwann mal bei diesem genannt wird, ist hier durchängig der Zuschauer gefordert und wird mit abwechslungsreichen Darstellungen in die Geschichte eingebunden.
Für solch innovative Videos sind die Skandinavier wohl prädestiniert, erinnert man sich an eines der erfolgreichsten Virals überhaupt: „The Hero“ aus Schweden. Nach Hochladen eines Porträit-Fotos konnte man hier selbst zum Hauptdarsteller des Films werden (mittlerweile offline, Bericht z.B. auf www.pc-blog-berlin.de).
Die Zukunft zeigt uns interaktives Fernsehen, interaktive Hörspiele, warum also nicht auch interaktive Werbe-Filme? Da ist auf jeden Fall noch viel Platz nach oben: Denn wem es wie mir geht, und der sich nach dreißig Sekunden Youtube-Video schon anfängt zu langweilen und bei neuen Musikvideos grundsätzlich alle paar Sekunden in der Zeitleiste nach vorne klickt, findet in diesem Format vielleicht etwas ansprechendere Unterhaltung. Vorausgesetzt sie ist so professionell und fließend umgesetzt wie in „byturen.com“.

Verantwortlich für den Clip zeigt sich übrigens die dänische Werbeagentur Bocca (bocca.dk), nach der man auf der Video-Seite vergeblich sucht. Auch auf ihrer Firmen-Webseite zeigen sie sich zurückhaltend, dort erfährt man aber zumindest, dass zu ihren Kunden vom Teppich-Geschäft Tæppeland über HTC-Smartphones auch das größte skandinavische Billigflug-Unternehmen Norwegian zählt.

Aber wofür wirbt das Video nun? In der letzten Szene werden die Darsteller glücklich und zufrieden auf der sicheren Heimfahrt in einem Bus gezeigt, während sie beim Mouse-Over völlig heruntergekommen und fertig in einer Gasse herumlungern. Dazu der dänische Text: „Ist es Zeit, nach Hause zu kommen?“ und das Logo von Movia, einem dänischen Verkehrsunternehmen.
Also trügt der Schein einer Anti-Alkohol-Kampagne, auch wenn die zeigefingerhebende Warnung, dass man nach zu viel Suff nicht mehr Herr seiner Sinne ist, wohl unmissverständlich mitschwingt. Muss aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern so ankommen, wie ein Kommentar auf dem Fun-Blog chilloutzone beweist:
Das Video will uns sagen: „Trinkt mehr Alkohol, die Realität ist scheiße.“
In diesem Sinne, ich nehm dann mal noch einen Pfeffi mit in die Straßenbahn.

(ls)


Why you need a tribe

Loic Le Meur hat letztens Seth Godin getroffen. Für mich ist das ja schon aus dieser Konstellation ein kleines Highlight. Nun, beide haben jedenfalls zusammen ein etwa 12minütes Video aufgenommen, indem Seth noch einmal ein paar Kernthesen zum Theme „Building Tribes“ erläutert. Prädikat: Absolut sehenswert.

SJ


Astroturfing mit einem Magdeburger

Politik und Gesellschaft sind immer völlig begeistert, wenn so etwas wie eine Graswurzelbewegung entsteht. Also Initiativen der Bürgerinnen und Bürger aus eigenem Antrieb und keine zentral gesteuerte Kampagne. In den USA konnte dies während des Obama-Wahlkampfes beobachtet werden und in Deutschland bei der Bewerbung von Joachim Gauck auf das Amt des Bundespräsidenten. Twitter-Initiativen und UnterstützerInnen-Websites sprossen aus dem Boden, ohne dass die Parteizentralen dies initiiert hatten.

Sobald die Gesellschaft etwas toll findet, sind die Werbeagenturen nicht weit, um es “nachzustellen”.

Hier ein, zugegeben netter, Versuch von Puma, so zu tun als ob Fussballhooligans während der WM singend in Wettstreit mit Fussballfans anderer Länder treten.

Bei genauerem Hinsehen entdecken wir Thomas Tulpe aus MD und auch diesen jungen Mann finden wir als Christian bei einer RTL-Produktion wieder, was den Verdacht nahe legt, dass auch er mit solchen Auftritten sein Geld verdient. Die Videos weiterer Nationen sind ebenso unterhaltsam wie aber auch professionell produziert.

Astroturfing ist die englische Bezeichnung von Kunstrasen – dem Gegenteil von natürlichem Rasen und in der Welt der Werbung und PR das Gegenteil einer Graswurzelbewegung – im englischen grassroots movement.

Schön wenn dabei so unterhaltsame Videos mit Thomas Tulpe herauskommen aber mindestens diskussionwürdig, wenn daraus so etwas entsteht wie der Bundesverband Landschaftsschutz.

In diesem Sinne – immer kreativ, glaubwürdig UND transparent bleiben!

wg