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Klappe zur Bundestagswahl

War da was? Weder im Online-Wahlkampf noch beim visuellen Werben um den Wähler blieb vom Engagement der Parteien etwas hängen. Am einprägsamsten waren dann doch die Ideen von Haustürwahlkampf und die überdimensionale Raute der Kanzlerin am Berliner Hauptbahnhof. An dieser Stelle wollen wir daher einen Blick auf die Spots der Parteien zur Bundestagswahl werfen.

Das Ergebnis der Auswertung gleich vorweg genommen: Der Wahlspot der Gewerkschaft IG Metall überflügelte die Spots der Parteien, die tatsächlich zur Wahl standen, um ein Vielfaches. Unter der Fragestellung “Alles schon gelaufen?” wurden diverse Sequenzen von Siegen, scheinbaren Siegen und Pannen kurz vor dem Ziel zusammen geschnitten. Energetische Musik und eine hohe Schnittfrequenz ließen förmlich den Druck auf Merkel wachsen. Genutzt hat es wenig, wie wir heute wissen. Dennoch geht unser Daumen hoch, denn hier haben die Macher etwas gewagt. Und die Frage sei gestattet, warum eine Gewerkschaft den besten Wahlspot macht, während sich die Parteien in ihren Spots im Nichts-Sagen überbieten.

Strategisch richtig hat die CDU auf die hohen Popularitätswerte der Kanzlerin gesetzt und Angela Merkel in den Mittelpunkt ihres Spots gestellt. Lethargische Musik, viel Understatement, dann aber doch erstaunlich ehrliche Bilder von Frau Merkels Gesicht. Dazu zeigt eine bewegte Kamera kurze Statements Merkels auf einer Couch sitzend. Das Filmchen schaut sich so herunter, um am Ende das Gefühl zu hinterlassen: Hier ist Deutschland in guten Händen und der Spot ist gleich wieder vergessen.

Die SPD versuchte einen Bogen zwischen Spot und Straßenwahlkampf zu schlagen. Da bei Reden des Spitzenkandidaten das Redepult in der Mitte des Publikums platziert wurde, rückte dieses auch im Spot in den Mittelpunkt. Wegen der eher übersichtlichen Umfragewerte Peer Steinbrücks darf dieser dann aber erst am Schluss des Spots eine Rolle darin spielen. Die Testimonials, die wechselnden Drehorte und die bewegte Kamera vermitteln Authentizität. Aber auch hier zerfasern die sozialen Anliegen der Sozialdemokraten während des Spots. Hängen bleibt dann irgendwas mit Gerechtigkeit. 

Die Liberalen orientierten sich am bisherigen Koalitionspartner und stellten ihren Spitzenkandidaten Rainer Brüderle in den Mittelpunkt des Spots. Zwischen vor Wirtschaft strotzenden Bilderreihungen sagt dieser FDP-Weisheiten auf. Unterhaltsam bleiben Fokusbilder auf das Butterbrot, während der Ermahnung den Menschen nicht die Butter vom Brot zu nehmen oder auf sein Frühstücksei, gepaart mit dem Hinweis, Rot-Rot-Grün sei nicht das Gelbe vom Ei. Auch das Bild vom Salz- und Pfefferstreuer im Zusammenenhang mit dem Werben um die Zweitstimme ist visuell gut umgesetzt. FDP-Wähler hätte dieser Spot wohl überzeugt, nur gibt es davon immer weniger. Vielleicht ist darin auch der Grund dafür zu suchen, dass alle Bilder jenseits von Rainer Brüderle gekauftes Material, Stock footage, waren und die glücklich radelnde Familie auch bei der NPD im Spot herhalten musste

Ins Horn der Personifizierung stießen auch die Grünen und setzten ihr Spitzenpaar in den Mittelpunkt des Spots. Die beiden wirken ganz sympathisch. So sehr, dass sie an Klaus Kleber und Gundula Gause erinnern. Ob das gewollt war? Als visueller Anker rollt der Wahlkampfslogan der Partei durch den Spot, der sich allerdings so oft dreht, wie sich die Themen ändern, so dass zum Schluss die Frage nach Ziel und Richtung des Filmchens offen bleibt. Anders und ein wenig origineller ist dieser Spot also schon. Aber eben auch thematisch beliebig und formell weichgespült. 

Die Linke verzichtet im Vergleich zu den bisherigen Videos auf Spitzenpersonal. Testimonials bringen ihre Anliegen vor durchgehend neutralem Hintergrund an den Wähler, werden ausgebremst, aber am Ende zeigen sie es denen – wie und wem auch immer.  

Unter “ferner liefen” lieferten sich die Bibeltreuen Christen, wegen ihres Spitzenkandidaten mit ungwohnter Frisur und Die Partei mit ihrem direkten Spot zur Familenpolitik ein Wettrennen um den skurilsten Spot zur Bundestagswahl.

Originell waren dann noch die Videos von Direktkandidaten, welche außerhalb der Parteizentralen entstanden. Ein dankbares Thema mit großer Fangemeinde ist natürlich der Tatort, hier als sozialdemokratische Version aus Nürnberg,  ebenso wie der Filmklassiker Der Pate, hier aus Hessen  oder die Rubrik Spass muss sein.

Zum Schluss sei gesagt: Was möglich ist, zeigt die Arbeiterpartei aus Norwegen  oder die zu Eingang erwähnte IG Metall.

wg & dk

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Spricht für sich selbst, oder?

75,6% der Deutschen sind online ((N)-ONLINER Studie 2012)
97,9% der Jugendlichen bis 19 Jahre sind online ((N)-ONLINER Studie 2012)
ca. 30% der Deutschen informieren sich über lokales Geschehen im Internet (Statista)
41,6 Millionen Deutschen sind Mitglied bei Facebook (51%, BITKOM-Studie 2012)
22,1 Millionen Deutsche nutzen Facebook aktiv (allfacebook.com)

Meile der Demokratie 2012

Auch in diesem Jahr wurden wir als Agentur erneut beauftragt einen Teil der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. Dabei ging es zunächst um die Aktualisierung des bisherigen Designs der Meile – „Auffrischen“ und zugleich den Wiedererkennungswert mit den bisherigen Werbemitteln erhalten. Eine Herausforderung des Meile-Designs ist ohne Frage immer die sehr große Zielgruppe. Eine grafische Lösung muss hier quer durch alle Altersschichten hindurch und für eine große Anzahl zivilgesellschaftlicher Initiativen möglichst ansprechend sein.

Für die Neugestaltung wurden zunächst sehr kräftige Farben gewählt. Das leuchtende und starke Blau des Hintergrunds bildet hier den Kontrast zu den Grundfarben des Ottostadt CI, welches in den Pfeilen aufgenommen wurde. Als wesentliche Bildelemente blieben der stilisierte Stadtplan im Hintergrund und die bereits angesprochenen Pfeile erhalten. Das Design wurde deutlich reduzierter aufgebaut, um den zu kommunizierenden Inhalt stärker in den Vordergrund zu rücken und eine klarere Bildsprache zu schaffe. In den verschiedenen Anwendungsbereichen – vom Plakat bis zum Webbanner – waren die Pfeile (+ Titel) das bestimmende Gestaltungselement.

Nach der Festlegung der Grunddesignelemente und Farben, wurde das Ganze für die verschiedenen Werbemittel und Medien umgesetzt (Plakat, Falzflyer, Anzeigenmotiv, Webbanner, Programmheft, Website-Designelemente und grafische Elemente für die Social Media Auftritte der Meile).

Für die Meile der Demokratie übernahmen wir als Agentur weiterhin die Betreuung der Website und der sozialen Netzwerke (Facebook & twitter), sowie einen Teil der Pressearbeit.

Im Rückblick auf die Meile freuen wir uns nun über eine erneute Steigerung der Besucherzahlen – so wird von schätzungsweise 10.000 Menschen gesprochen – und eine wirklich gute Berichterstattung im Vorlauf der Meile, wie auch über die Meile selbst. Besonders erfreulich ist auch die diesjährige große Resonanz in überregionalen Medien.

Wie sagt man so schön: Wir danken für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

SJ


Baden-Württemberg vs. Sachsen-Anhalt: Wir können alles. Außer Windkraft.

Mit der Übernahme der Baden-Württemberg Kampagne (Wir können alles. Außer Hochdeutsch) hat die Agentur Zum Goldenen Hirschen die Ausrichtung der Kampagne deutlich verändert und direkt mit dem ersten Motiv für Ärger gesorgt. Der provokante Slogan „In Sachsen-Anhalt steht man früher auf. Bei uns bleibt dafür niemand sitzen.“ traf mitten ins Herz der Landeskampagne Sachsen-Anhalts und erregte die Gemüter der Landespolitik. Die Reaktionen reichten dabei von Fassunglosigkeit (SPD-Landtagsfraktionschefin Katrin Budde) bis zu Freude über die Anerkennung, ja Adelung der Kampagne durch Baden-Württemberg (Ministerpräsident Rainer Haseloff, CDU).

Als wir bei KorrekturNACHOBEN die Kampagne sahen, waren wir zugleich begeistert, belustigt, fühlten uns aber auch herausgefordert. An dieser Stelle daher: Chapeau liebe Agentur „Zum Goldenen Hirschen“ für diesen gelungenen Auftakt der neuen Werbekampagne für Baden-Württemberg und vielen Dank für die nette Vorlage!

Wir haben spontan einen Entwurf für ein Anzeigenmotiv gemacht, den wir euch nicht vorenthalten möchten. Konzeption, Gestaltung und Text stammen von Steffen Jany und Malte Brusermann.

Wir veröffentlichen das Bild unter einer Creative Commons Lizens (Namensnennung, keine Kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)

Kampagnenentwurf: Wir können alles. Außer Windkraft. Wir veröffentlichen das Bild unter einer Creative Commons Lizens (Namensnennung, keine Kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)

So BaWü jetzt seid ihr wieder dran. Feuer frei, wir sind gespannt was euch dazu einfällt!

Kurzer Überblick der Pressemitteilungen über den Werbekrieg der beiden Bundesländer:

Baden-Württemberg-Kampagne verärgert Politiker Sachsen-Anhalts Horizont (30.09.2011)

Baden-Württemberg nimmt Sachsen-Anhalt aufs Korn MDR (29.09.2011)

BADEN-WÜRTTEMBERG VS. SACHSEN-ANHALT Zoff zwischen Frühaufsteher und Nicht-Sitzenbleiber Welt Online (28.09.2011)


WTF Clooney Ad

Es gibt da einen neuen Werbespot mit George Clooney, über den wir in der Agentur eher geteilter Meinung sind: Die Herren finden ihn total witzig, ich bin da schon ein bisschen skeptisch, vielleicht auch, weil ich den Humor nicht so ganz verstehe, aber vielleicht gehe ich da auch ein bisschen zu rational an die Sache ran.

Erstmal davon abgesehen, dass ich kein besonders großer Clooney-Fan bin, bekomme ich in letzter Zeit nur noch was von seiner Person anhand irgendwelcher Werbespots mit (Martini, Nespresso, Anti-Nespresso). Kinder, die in dieser Zeit aufwachsen, müssen ein völlig verzerrtes Bild von ihm bekommen haben, sie müssen sich unentwegt fragen, wer ist dieser alte weißhaarige Mann in den Werbeunterbrechungen? Was kann er, was andere Werbemenschen nicht können? Aber ich schweife ab.

Worum es in diesem Spot geht: Eine blonde, nicht mehr ganz so frische Dame mittleren Alters, die etwas zerrüttet, aber dennoch perfekt geschminkt aussieht, schält sich aus einem Bett in einem nicht minder verwüsteten Apartment, wo unter Anderem ein Pferdekopf auf dem Fußboden liegt. Ein Pferdekopf eignet sich immer gut um zu signalisieren; Obacht, hier ist etwas Seltsames los. Beispielsweise auf witzigen Fotos oder Musikvideos (okay, ich finde gerade keins mit Pferdeköpfen, aber andere Tierköpfe gehen im Zweifelsfalle auch) und sowieso, Pferdeköpfe gibt es auch auf Amazon als lustiges Party-Utensil sogar mit Plüschhaaren für unter 20 Euro.

Wo war ich stehengeblieben. Also die Dame steigt aus dem Bett und schaut sehr verwirrt drein, außerdem fehlen ihr Augenbrauen, aber das hat glaube ich nichts mit der Story zu tun. Also sie sitzt da so und sieht dass sie einen Ring am Finger hat und dann steht sie auf und findet ein Hochzeitskleid, dass sie offensichtlich getragen haben muss und Hochzeitsfotos, wo sie neben einem Bräutigam sitzt, der einen Pferdekopf (s.o.) trägt und fragt sich wohl nur so „ey krass Mann voll heftig was ging da denn ab?“
Und dann öffnet sich die Tür und ein alter Mann George Clooney kommt herein und betascht sie ganz zärtlich ( „so cute!“) und sie setzen sich zusammen vor einen Laptop und er zeigt ihr ein Haus, dass er sich mit ihr zusammen kaufen möchte und sie findet das wohl alles ganz in Ordnung so und dann titelt der Abspann auf Norwegisch:“ Manche Menschen haben Glück im Leben – Für den Rest von uns könnte Sparen schlau sein“.
Die Werbung wirbt also weder für Sofortbildkameras noch für Immobilien, lustige Pferdeköpfe, Roofies oder andere Betäubungsmittel sondern für eine Bank!

Ich stelle mal ganz außer Frage, dass die meisten Frauen in dieser Situation schreiend aus dem Zimmer rennen und unmittelbar die Polizei alarmieren würden, ich frage mich die ganze Zeit nur, was zur Hölle ist mit dieser armen Frau passiert? Mein Kollege meint „übelster Absturz“ aber dieser Absturz muss sich ja Wochen hingezogen haben, zumindest wenn man davon ausgeht dass eine gemeinsame Beziehung, ein Antrag und/oder zumindest der bürokratisch aufwendige Weg einer Anmeldung der Trauung bei der Standesbehörde stattgefunden haben muss, es sei denn die Hochzeit fand in Las Vegas statt, aber das hier soll ja offensichtlich Norwegen sein.
Mir kamen statt Parallelen zum Hollywood-Schlager Hangover ganz andere Interpretationen in den Sinn: Diese Frau muss einen schrecklichen Unfall gehabt haben, oder jemand hat sie gekidnappt und sie wurde das Opfer von schrecklichen Hirnexperimenten, bei denen ihr der Hippocampus und der Frontallappen entfernt wurden (das würde auch eine Erklärung für die fehlenden Augenbrauen liefern). Oder sie hatte schon immer einen neurologischen Defekt aufgrund dessen sie wie bei Butterfly Effect immer von einer Situation zur nächsten springt und befand sich eben noch in einem Gefängnis voller Schwerverbrecher – man weiß es nicht!

So Spaß bei Seite, halten wir Clooney mal zu Gute, dass er diesmal nicht für den skandalträchtigen Nestlé-Konzern Werbung macht, sondern für ein seriöses (?) Geldinstitut, das auch noch aus Norwegen stammt.

Und der Spot ist ja auch recht solide gemacht, abgesehen davon, dass man zwischendrin die Kamera im Spiegel sieht, aber das ist ja auch eine Kunst für sich, so einen Raum mit Spiegeln zu filmen. Dafür gibt es ein tolles Luxus-Ambiente und eine herausragende Schauspiel-Leistung der Dame fast eine Minute lange verwundert zu gucken. Und es ist ein schöner Schachzug von einer solch konservativen Institution wie einer Bank, einen witzigen Spot mit Pferdekopf zu drehen.
Und außerdem spielt George Clooney mit, ich meine, George Clooney!
(ls)


Hotelbuchung im Sturzflug

Kaum zu glauben, wie schnell man heutzutage „in letzter Minute“ ein Hotel buchen kann, wie in folgendem Video zu sehen:

Ein Mann springt, mit einem iPhone in der Hand, aus dem Helikopter. Er berührt ein paar Mal den Touchscreen, macht zwischendurch Luftrollen und kommt schließlich im gewünschten gebuchten Hotel unbeschadet an. Jetzt kann man also ganz sorglos per App sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten in wenigen Sekunden reservieren. Selbst beim Fallschirmspringen.

Da tut sich erst einmal die Frage auf, ob man das wirklich braucht?
Natürlich ist das Video ein ganz klein wenig übertrieben aber die Grundidee ist, meiner Ansicht nach, ganz richtig gedacht. Im Vergleich zu früher, kann man heute einfach nicht mehr die Monate im Vorraus planen. Meetings, Geschäftstreffen und selbst Familienurlaube werden kurzfristig gelegt und schnell gebucht. Die zeitliche und räumliche Organisation von Arbeiten und Leben ist völlig entgrenzt. Beschäftigte haben wenig Einfluss auf ihre Arbeitzeitpläne, ihre Arbeitseinsätze sind häufig kurzfristig, entrhytmisiert und wenig planbar. Insofern ist ein Service durch Buchen, Reservieren und Stornieren erforderlich, der unpersönlich und schnell vonstatten gehen sollte. Umkoordinieren sollte auch dort unproblematisch möglich sein.
Die Zeit für persönliche Anrufe ist einfach nicht mehr da. Hatte man früher die Muße ein Telefonbuch herauszukramen und das günstigste Hotel mit dem besten Service anzurufen, geht man heute schnell mobil online, sucht sich das optisch ansprechendste Angebot heraus und bucht dieses dann mal eben. Es hat auch niemand hat den Elan, eine, meist teure, Auskunft anzurufen um so die nächstgelegene Übernachtungsmöglichkeit zu finden.
Das geht eben wie im Flug mit dem iPhone.
Und um zu erreichen, dass Onlinenutzer von der eigene Seite eingenommen sind, müssen eben die Werbebotschaften gezielt und effektiv wirken. In diesem Werbefilm wird nicht nur erfolgreich gezeigt, wie schnell sich solch eine Onlinebuchung vollziehen kann, sondern auch, welchen Stellenwert Smartphones im Bereich Hotelbuchung inzwischen einnehmen.

Wir lieben diesen Spot, weil er die Kerneigenschaften des Produktes und der heutigen Entwicklung aufzeigt und es schafft dies zu vermarkten. Diese Basics werden dann noch mit Spaß und Action gewürzt und voilà wir haben virales Potential.

Dieser Blogpost wurde von Dominique Kauer verfasst, die bei KNO ein einwöchiges Schulpraktikum absolviert. Herzlichen Dank und schön, dass du bei uns bist Dominique!

Virales Fundstück aus Dänemark

Ein dänisches Werbevideo hat in den letzten Tagen auch seinen viralen Weg nach Deutschland gefunden, und erfreut sich großer Beliebtheit:

„Byturen“ auf www.byturen.com

Auf den ersten Blick ähneln die farbenfrohen Hochglanz-Bilder, in denen fröhliche Party-Menschen ihrem Club-Abend fröhnen, der deutschen „Alkohol? Kenn dein Limit“-Kampagne und man wartet darauf, dass der Text „Sie feiert heute hemmungslos – Er stellt sie morgen nackt ins Netz“ eingeblendet wird.
Aber das Video kann viel mehr, bewegt man nämlich den Mauszeiger über die schönen Bilder, verwandelt sich das ansprechende Ambiente in triste Umgebung und die gut gestylten Menschen in mitleidserregende Kreaturen. In völlig betrunkenem Zustand vermasseln sie all die tollen Gelegenheiten, die sich ihnen bei der cleanen Version bieten: Statt Flirt hagelt es Abfuhren, statt sexy Dance wird über den Fußboden gekraxelt und auch der Gang zur Toilette entpuppt sich als organisatorische Meisterleistung. Unterteilt sind die verschiedenen Stationen der Partynacht in Uhrzeiten von 1:05 Uhr bis 6:14 Uhr, die man einzeln anwählen kann. Manche Darstellungen wie das Wand-Anpinkeln sind vielleicht etwas übertrieben, andere hingegegen wirken irgendwie erschreckend vertraut. So erscheint mir der Tanzstil von den Jungs in 2:17 Uhr ja beinahe als Standard vieler Studenten-Discos, wo gewöhnlich einiges an Bier von Nöten ist, bis man(n) sich auf die Tanzfläche traut, aber das nur am Rande.

Somit spricht die Kampagne schon inhaltlich besonders das junge Publikum an, das in Dänemark auch leider europaweit die Spitze des Alkoholmissbrauchs unter Kindern und Jugendlichen anführt (www.sst.dk).
Was den Clip aber so besonders und auch für andere Zielgruppen spannend macht, ist die interessant gewählte interaktive Steuerung. Wo sich viele sogenannte „Augmented Videos“ (ich finde die Bezeichnung etwas unpassend, vielleicht hat jemand eine bessere) im Online-Marketing noch darauf beschränken, dass man durch einen Klick den Fortgang der Story herbeiführen kann oder nach einmaligem Eingeben seines Namens irgendwann mal bei diesem genannt wird, ist hier durchängig der Zuschauer gefordert und wird mit abwechslungsreichen Darstellungen in die Geschichte eingebunden.
Für solch innovative Videos sind die Skandinavier wohl prädestiniert, erinnert man sich an eines der erfolgreichsten Virals überhaupt: „The Hero“ aus Schweden. Nach Hochladen eines Porträit-Fotos konnte man hier selbst zum Hauptdarsteller des Films werden (mittlerweile offline, Bericht z.B. auf www.pc-blog-berlin.de).
Die Zukunft zeigt uns interaktives Fernsehen, interaktive Hörspiele, warum also nicht auch interaktive Werbe-Filme? Da ist auf jeden Fall noch viel Platz nach oben: Denn wem es wie mir geht, und der sich nach dreißig Sekunden Youtube-Video schon anfängt zu langweilen und bei neuen Musikvideos grundsätzlich alle paar Sekunden in der Zeitleiste nach vorne klickt, findet in diesem Format vielleicht etwas ansprechendere Unterhaltung. Vorausgesetzt sie ist so professionell und fließend umgesetzt wie in „byturen.com“.

Verantwortlich für den Clip zeigt sich übrigens die dänische Werbeagentur Bocca (bocca.dk), nach der man auf der Video-Seite vergeblich sucht. Auch auf ihrer Firmen-Webseite zeigen sie sich zurückhaltend, dort erfährt man aber zumindest, dass zu ihren Kunden vom Teppich-Geschäft Tæppeland über HTC-Smartphones auch das größte skandinavische Billigflug-Unternehmen Norwegian zählt.

Aber wofür wirbt das Video nun? In der letzten Szene werden die Darsteller glücklich und zufrieden auf der sicheren Heimfahrt in einem Bus gezeigt, während sie beim Mouse-Over völlig heruntergekommen und fertig in einer Gasse herumlungern. Dazu der dänische Text: „Ist es Zeit, nach Hause zu kommen?“ und das Logo von Movia, einem dänischen Verkehrsunternehmen.
Also trügt der Schein einer Anti-Alkohol-Kampagne, auch wenn die zeigefingerhebende Warnung, dass man nach zu viel Suff nicht mehr Herr seiner Sinne ist, wohl unmissverständlich mitschwingt. Muss aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern so ankommen, wie ein Kommentar auf dem Fun-Blog chilloutzone beweist:
Das Video will uns sagen: „Trinkt mehr Alkohol, die Realität ist scheiße.“
In diesem Sinne, ich nehm dann mal noch einen Pfeffi mit in die Straßenbahn.

(ls)


„Lasst uns doch rüber zu Google+ gehen.“ – Billanz nach 35 Tagen.

Normalerweise wird erst nach 100 Tage abgerechnet aber nach der ersten Aufregung nun schon mal vorab eine höchst subjektive Sammlung der ersten Eindrücke vom Facebookkiller.

G+

G+

Ende Juni launchte Google, nach erprobten Muster, seine Version eines sozialen Netzwerkes über invites und bediente sich so gleich des Netzwerkeffektes. Sich selbst zum elitären Club der First-User-Generation zu zählen, war der von der Marketingabteilung angepeilte und erreichte Effekt.

Das Netzwerk ist mäßig innovativ dafür aber grafisch gelungen und optimal zusammengestellt. Bekannte Features aus Facebook, Linked In, twitter und Diaspora wurden beeindruckend zusammengedacht und Nutzerfreundlich gruppiert. Die in Circles angelegten Arten verschiedenster Freundeskreise erfreuen sich wie bei allen AnwenderInnen auch bei mir höchster Beliebtheit.

Private Nachrichten müssen nicht mehr in separaten Feldern erstellt werden, sondern werden über den Stream abgewickelt. Vlt. liegt ja hierin auch die Zukunft des Emailverkehrs. Die Mailbox verliert an Bedeutung und Nachrichten werden nach Priorität und über Zuordnung des Absenders in meinen Kreisen dargestellt. Das Postfach von GMail gibt dazu ja schon einen Vorgeschmack mit diversen automatischen Gruppierungsfunktionen.

G+ whattodo

Beim von twitter und Diaspora inspirierten Service Sparks ist noch nicht viel los, was aber eher daran liegt das die Musik noch drüben bei Facebook spielt. Es fehlen einfach noch der User generated Content. Google-News-Alerts und twitter-Hashtags in einem Dienst schaffen hoffentlich wieder mehr Übersichtlichkeit im Web der Millionen Neuigkeiten. Inhalte aber nicht mehr suchen zu müssen, sondern sich diese über Schlüsselwörter aufbereiten zu lassen ist ein wichtiger Baustein von G+. Das Feature „Huddle“ muss ich demnächst überhaupt erstmal ausprobieren um via SMS oder Smartphone mit meinen Kreisen zu kommunizieren.

Es ist zu hoffen das G+ bald andere Dienste der Datenkrake integriert. Emails an Circles, Kalender- und Termindarstellung und daran gekoppelte Veranstaltungsfunktionen wie bei Facebook, kollaboratives Arbeiten mit Google docs im Hangout und Circle (Wave lässt grüßen), Geodatenbezogene Services u.a. mit Google Places und daneben Darstellungsformate für nichtnatürliche Personen wie Firmen, Organisationen, Anliegen usw. offiziell anbietet.

spon googleDer Spiegel schreibt Google+ wäre das Facebbook für Erwachsene und hat recht, da Google als Mindestalter 18 vorschreibt, während die Kids schon ab 14 offiziell auch bei FB dabei sind. Ansonsten verkennt er, dass soziale Netzwerke viel mit Spieltrieb und weniger mit Erwachsensein zu tun haben. Die Erwachsenen interessieren sich vor allem dafür wie G+ für das Marketing eingesetzt werden kann.

Neben der Klarnamendebatte, fragt man sich warum diese Nutzergruppe zur Zeit noch so außen vor ist. War es nicht ein cleverer Schachzug von FB sich von Künstlern, Marken und  anderen selbstdarstellenden Institutionen Content, Traffic und Attraktivität liefern zu lassen um ihnen dann später Anzeigen zu verkaufen? Strategisch war dies auch weiter gedacht als bei den VZ-Netzwerken, in welchen Firmen dafür teure Edelprofile kaufen sollen.

Nach eigenen Aussagen dauert dies noch eine ganze Weile. Google haut dann sicher wieder nach altbewährtem Muster 100 Euro Gutscheine für Werbung bei G+ raus und mit einem Fingerschnippen sind dann alle auch hier an Bord. Genauso einfach kann sich Google auch nach Bereitstellung einer Programmierschnittstelle die Aufmerksamkeit kaufen und die Promotion externer Programm fördern.

google gutschein

Zur Bewertung lässt sich sagen, wenn bei einer Skypekonferenz mittendrin beschlossen wird, lieber rüber zu G+ zu gehen, wurde einiges richtig gemacht. So richtig was los ist leider noch nicht und verdammt viele Beiträge sind selbstreferenziell. Noch läuft die Party bei Facebook aber bei 20 Millionen Usern geht hier sicher noch einiges.

wg


Force ist nicht gleich Macht

Darth Vader junior fährt nach diesem klasse Spot mit 16 oder 18 wohl VW.


Warum die VWerber aber in der deutschen Version des Clips einige Änderungen gemacht haben, hat wohl 2 Gründe. Anderer Markt und die Erkenntniss, dass Kids in der Werbung ein sensibles Feld sind. Klar, auf dem nun vorhandenen Nummernschild ist WOB aber was gibt es sonst noch? Deutsche Clipversion nach dem Klick: http://www.volkswagen.de/de/models/der_neue_passat.html
Der schwarze Wagen entspricht dem Stilempfinden des deutschen Marktes von hochwertigen Autos viel eher, während schwarz in den USA für Limousinen und Leichwägen reserviert scheint. Abgesehen davon, dass am Ende nicht mehr der USAmerikanische Vorortstil zu sehen ist, springt auch keinMotor mehr an. Warum? Der deutsche Markt ist deutlich Grüner als in den Vereinigten Staaten. Wer braucht schon einen fernzündenden Motor – ist doch Spritverschwendung. Als Sportwagen mit männlichem Verlängerungspotenial wir der Passat in Deutschland genauso wenig vertrieben. Der Wagen rangiert zwischen gehobenem Versicherungsvertreterdienstwagen und Familienkutusche. Desweiteren ist ein Kind vor einem laufenden Auto für Eltern eher abschreckend als Kaufstimulierend. Scheint ein unwichtiger Punkt zu sein, ist aber von ehrheblicher Bedeutung im Land der DIN-Normen, Prüfsiegel und  TÜV-Gläubigkeit. Security comes first! und wer will schon Kinder in Geafhr wähnen?

wg


Werbung in St. Petersburg

St. Petersburg, Russland. Nevski Prospekt, die Newa, schwere Limousinen. Großer Reichtum und krasse Armut. Auf den touristischen Routen glänzen Edelsteine, die Frauen tragen sehr teure Sachen und Champagner gehört zu den alltäglichen Getränken. Hier ist Kommunikation in modernster Form bereits angekommen. Jeder labelt sich über die Dinge, die er trägt und vor allem über sein Auto. Große Namen allerorten.

Doch Abseits ist Kommunikation noch Werbung ist noch Reklame. Auf dem größten Basar der Stadt gibt es tausende Läden und Büdchen. Ein komplettes Viertel voller Russen, Araber, Kaukasier und Chinesen, die alles und nichts verkaufen. Hier bekommt man Plüschtiere und Drogen, Strumpfhosen und Mädchen. An jedem Laden hängt ein grelles Schild, dass um Aufmerksamkeit bettelt und auf den Häusern sind Lautsprecher montiert, die die neuesten Angebote heraus schreien.

Unser Tipp dazu: mehr Mensch, mehr Mut, mehr K-N-O!

Samstag, 26/06/2010, der größte Basar in St. Petersburg

wg