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Klappe zur Bundestagswahl

War da was? Weder im Online-Wahlkampf noch beim visuellen Werben um den Wähler blieb vom Engagement der Parteien etwas hängen. Am einprägsamsten waren dann doch die Ideen von Haustürwahlkampf und die überdimensionale Raute der Kanzlerin am Berliner Hauptbahnhof. An dieser Stelle wollen wir daher einen Blick auf die Spots der Parteien zur Bundestagswahl werfen.

Das Ergebnis der Auswertung gleich vorweg genommen: Der Wahlspot der Gewerkschaft IG Metall überflügelte die Spots der Parteien, die tatsächlich zur Wahl standen, um ein Vielfaches. Unter der Fragestellung “Alles schon gelaufen?” wurden diverse Sequenzen von Siegen, scheinbaren Siegen und Pannen kurz vor dem Ziel zusammen geschnitten. Energetische Musik und eine hohe Schnittfrequenz ließen förmlich den Druck auf Merkel wachsen. Genutzt hat es wenig, wie wir heute wissen. Dennoch geht unser Daumen hoch, denn hier haben die Macher etwas gewagt. Und die Frage sei gestattet, warum eine Gewerkschaft den besten Wahlspot macht, während sich die Parteien in ihren Spots im Nichts-Sagen überbieten.

Strategisch richtig hat die CDU auf die hohen Popularitätswerte der Kanzlerin gesetzt und Angela Merkel in den Mittelpunkt ihres Spots gestellt. Lethargische Musik, viel Understatement, dann aber doch erstaunlich ehrliche Bilder von Frau Merkels Gesicht. Dazu zeigt eine bewegte Kamera kurze Statements Merkels auf einer Couch sitzend. Das Filmchen schaut sich so herunter, um am Ende das Gefühl zu hinterlassen: Hier ist Deutschland in guten Händen und der Spot ist gleich wieder vergessen.

Die SPD versuchte einen Bogen zwischen Spot und Straßenwahlkampf zu schlagen. Da bei Reden des Spitzenkandidaten das Redepult in der Mitte des Publikums platziert wurde, rückte dieses auch im Spot in den Mittelpunkt. Wegen der eher übersichtlichen Umfragewerte Peer Steinbrücks darf dieser dann aber erst am Schluss des Spots eine Rolle darin spielen. Die Testimonials, die wechselnden Drehorte und die bewegte Kamera vermitteln Authentizität. Aber auch hier zerfasern die sozialen Anliegen der Sozialdemokraten während des Spots. Hängen bleibt dann irgendwas mit Gerechtigkeit. 

Die Liberalen orientierten sich am bisherigen Koalitionspartner und stellten ihren Spitzenkandidaten Rainer Brüderle in den Mittelpunkt des Spots. Zwischen vor Wirtschaft strotzenden Bilderreihungen sagt dieser FDP-Weisheiten auf. Unterhaltsam bleiben Fokusbilder auf das Butterbrot, während der Ermahnung den Menschen nicht die Butter vom Brot zu nehmen oder auf sein Frühstücksei, gepaart mit dem Hinweis, Rot-Rot-Grün sei nicht das Gelbe vom Ei. Auch das Bild vom Salz- und Pfefferstreuer im Zusammenenhang mit dem Werben um die Zweitstimme ist visuell gut umgesetzt. FDP-Wähler hätte dieser Spot wohl überzeugt, nur gibt es davon immer weniger. Vielleicht ist darin auch der Grund dafür zu suchen, dass alle Bilder jenseits von Rainer Brüderle gekauftes Material, Stock footage, waren und die glücklich radelnde Familie auch bei der NPD im Spot herhalten musste

Ins Horn der Personifizierung stießen auch die Grünen und setzten ihr Spitzenpaar in den Mittelpunkt des Spots. Die beiden wirken ganz sympathisch. So sehr, dass sie an Klaus Kleber und Gundula Gause erinnern. Ob das gewollt war? Als visueller Anker rollt der Wahlkampfslogan der Partei durch den Spot, der sich allerdings so oft dreht, wie sich die Themen ändern, so dass zum Schluss die Frage nach Ziel und Richtung des Filmchens offen bleibt. Anders und ein wenig origineller ist dieser Spot also schon. Aber eben auch thematisch beliebig und formell weichgespült. 

Die Linke verzichtet im Vergleich zu den bisherigen Videos auf Spitzenpersonal. Testimonials bringen ihre Anliegen vor durchgehend neutralem Hintergrund an den Wähler, werden ausgebremst, aber am Ende zeigen sie es denen – wie und wem auch immer.  

Unter “ferner liefen” lieferten sich die Bibeltreuen Christen, wegen ihres Spitzenkandidaten mit ungwohnter Frisur und Die Partei mit ihrem direkten Spot zur Familenpolitik ein Wettrennen um den skurilsten Spot zur Bundestagswahl.

Originell waren dann noch die Videos von Direktkandidaten, welche außerhalb der Parteizentralen entstanden. Ein dankbares Thema mit großer Fangemeinde ist natürlich der Tatort, hier als sozialdemokratische Version aus Nürnberg,  ebenso wie der Filmklassiker Der Pate, hier aus Hessen  oder die Rubrik Spass muss sein.

Zum Schluss sei gesagt: Was möglich ist, zeigt die Arbeiterpartei aus Norwegen  oder die zu Eingang erwähnte IG Metall.

wg & dk

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Astroturfing mit einem Magdeburger

Politik und Gesellschaft sind immer völlig begeistert, wenn so etwas wie eine Graswurzelbewegung entsteht. Also Initiativen der Bürgerinnen und Bürger aus eigenem Antrieb und keine zentral gesteuerte Kampagne. In den USA konnte dies während des Obama-Wahlkampfes beobachtet werden und in Deutschland bei der Bewerbung von Joachim Gauck auf das Amt des Bundespräsidenten. Twitter-Initiativen und UnterstützerInnen-Websites sprossen aus dem Boden, ohne dass die Parteizentralen dies initiiert hatten.

Sobald die Gesellschaft etwas toll findet, sind die Werbeagenturen nicht weit, um es “nachzustellen”.

Hier ein, zugegeben netter, Versuch von Puma, so zu tun als ob Fussballhooligans während der WM singend in Wettstreit mit Fussballfans anderer Länder treten.

Bei genauerem Hinsehen entdecken wir Thomas Tulpe aus MD und auch diesen jungen Mann finden wir als Christian bei einer RTL-Produktion wieder, was den Verdacht nahe legt, dass auch er mit solchen Auftritten sein Geld verdient. Die Videos weiterer Nationen sind ebenso unterhaltsam wie aber auch professionell produziert.

Astroturfing ist die englische Bezeichnung von Kunstrasen – dem Gegenteil von natürlichem Rasen und in der Welt der Werbung und PR das Gegenteil einer Graswurzelbewegung – im englischen grassroots movement.

Schön wenn dabei so unterhaltsame Videos mit Thomas Tulpe herauskommen aber mindestens diskussionwürdig, wenn daraus so etwas entsteht wie der Bundesverband Landschaftsschutz.

In diesem Sinne – immer kreativ, glaubwürdig UND transparent bleiben!

wg


Facebook ist doch nur ein kurzfristiger Hype – na und?

Solange die Kommunikation mittels Facebook funktioniert, ist es ein geeignetes Medium. VW verzichtet zur Einführung des neuen Polo GTI völlig auf klassische Werbung und produziert zwei Spots, in denen das Auto nur Nebensache ist. Der Rest läuft über http://www.facebook.com/volkswagen. Es wird keine Website dazu gelauncht, sondern mittels Facebook der Dialog angeboten und offensiv auf die Zielgruppe für dieses Auto zugegangen.

Schön ist, dass in den Spots nicht mit glänzenden Autos oder aufdringlichen Logos geworben wird, sondern der Spaß im Vordergrund steht.

Spaß macht es auch die Spots zu sehen und die Zugriffszahlen bei Youtube und Co. bestätigen dies. Bei allem hat VW aber nie die Botschaft von Dynamik, Coolness und Geschwindigkeit aus den Augen verloren. Letztlich geht es darum, ihr Auto emotional aufzuladen und an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

wg